Gabi und Sascha
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Ja, es geht schlimmer!

Humankapital ist zwar das Unwort des Jahres geworden. Aber es gibt noch schlimmere Bezeichnungen für Menschen. Ressource ist so ein Wort. Es vermeidet im Gegangsatz zum Begriff Humankapital sogar jedweden Bezug zum Menschen und setzt Menschen dem Ding gleich. Ganz gleich ob es sich um ein Auto, einen Computer oder einen Meschen handelt, alles wird hier als Ressource bezeichnet.
Von Unternehmen und Unternehmern, die den Menschen so abqualifizieren kann man eigentlich auch nicht mehr erwarten als Verachtung für die eigenen Mitarbeiter. Sie sind austauschbar wie ein Leasingfahrzeug.

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Das Wort Humankapital hat nur auf den ersten Blick die zynische Pointe einer Gleichsetzung von Menschen und Kapital. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass hier eher der Betrachtungswinkel geändert wird: Auch Menschen lassen sich als Kapital ansehen. Das hieße aber gerade nicht, die Menschen schlecht zu behandeln, sondern sie besonders gut und schonenend zu behandeln, eben weil sie Kapital sind, von dem man bekanntlich hofft, dass es sich verzinst, und das man deswegen nicht verschleudert.

Falls es sich bei der Entscheidung um eine Art antikapitalistisches Bekenntnis gehandelt haben sollte, so kennen die Entscheidungsträger ihren "Gegner" nur sehr schlecht - was überigens ein weit verbreitetes Problem ist: Ein Großteil antikapitalistischer Kommentare (besser: Polemik) entbehrt jeglicher Grundlage und zeugt von nur äußerst geringer Sachkenntnis der Grundzüge des Kapitalismus.

Der Marxismus hat die "Perfidie" des Kapitalismus immer darin gesehen, dass er den Gegensatz von menschlicher Arbeit und Kapital zu Gunsten des Kapitals löst. Der Begriff "Humankapital" löst den (eigentlich nicht vorhandenen) Gegensatz aber anders auf. Auch die Arbeit ist Kapital, mehr noch, schon die Menschen, selbst wenn sie nicht arbeiten, sind Kapital, sozusagen totes, nämlich nicht arbeitendes Kapital. So wie aber das Kapital immer arbeiten (und nicht etwa als Geld unter dem Kopfkissen liegen) soll, so müsste in dieser Perspektive auch der Mensch arbeiten, und nicht etwa auf der Straße bleiben.

Zusammenfassung: Bei dem Begriff "Humankapital" handelt es sich nicht um eine Abwertung des Menschen - im Gegenteil, er stellt sogar eine Aufwertung dar! Sei nicht dumm, sagt der Begriff zum Kapitalisten, lass den Menschen nicht verwahrlosen, wenn Du ihn so gut behandelst wie deine Fabriken und Aktiendepots, dann werdet Ihr beide etwas davon haben.

Dem kann ich leider so nicht zustimmen. Das Problem hier ist, dass der Mensch durch etwas abstraktes, nämlich Kapital, ersetzt wird. Man entfernt sich bei dem Begriff des Humankapitals vom Menschen und sieht in ihm nur noch eine Zahl, die sich verzinsen soll. Insbesondere wenn ein nicht arbeitender Mensch als <em>totes</em> Kapital bezeichnet wird hat man sich schon sprachlich vom Menschen als lebendes Indivduum entfernt.

Selbstverständlich kann ein Mensch sich auch erholen, um wiederum die <em>Verzinsung</em> zu steigern. Ist er in diesem Fall <em>totes</em> Kapital? Und was ist mit einem Menschen der nur dem Müssiggang nachgeht. Nichts sinnvolles tut? Er ist totes Kapital.

In dem ganzen letzten Absatz kam der Begriff <em>Humankapital</em> nicht mehr vor. Und genau darin liegt die Gefahr des Begriffes. Den Blick auf das wesentliche zu verlieren, den Menschen. Es besteht die Gefahr, dass man einen Menschen, der nicht arbeitet und damit totes Kapital ist auch schnell als <em>unwertes Leben</em> bezeichnet.