Gabi und Sascha
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Ich komme gerade von der Kundgebung. Ab 17:00 Uhr hatten sich rund 80-100 Softwarepatentgegner bei knapp über 0 Grad vor dem Bundesjustizministerium in Berlin versammelt. Leider war der erste Redner kaum zu verstehen. Er legte noch einmal den bisherigen Werdegang der Softwarepatentdebatte dar. Der zweite Redner, ein Softwareunternehmer aus Hannover, prangerte die krasse Missachtung der bestehenden Regelungen durch das Europäische Patentamt an, welches trotz nicht vorhandener Rechtsgrundlage bisher rund 30.000 Softwarepatente erteilt hat. Er ging insbesondere negativen wirtschaftlichen Folgen ein, die die Einführung von Patenten auf Software mit sich bringen wird. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) können sich Patentrecherchen nicht leisten. Und auch die zynische Meinug von Justitministerin Zypries, dass ein Patent schliesslich nur 60 € koste, verwies er in das Reich der Fabel. Patente sind wesentlich teurer. Es fallen schliesslich nicht nur Kosten für die eigentliche Patenterteilung an, sondern auch Anwaltskosten für die Patentrecherche und gerade auch Kosten für die Durchsetzung eines Patentes.

Unerwähnt blieb auch nicht, dass gerade KMUs in Deutschang rund 60% der Umsatzsteuer im Bereich der Software erwirtschaften. Dreiviertel aller Beschäftigten in der Softwarewirtschaft arbeiten in KMUs. Allerdings startet Wirtschaftminister Clement lieber eine von Microsoft gesponsorte Initative für mehr Sicher im Netz (Bei der Microsoft gross ankündigt die Probleme zu bekämpfen, die sie selbst geschaffen haben.), als sich um die realexsisitierenden Probleme der deutschen Softwarewirtschaft zu kümmern. Es kann nicht angehen, dass die Bundesregierung den Einsatz von Open-Source Software propagiert, aber gleichzeitig diesen Projekten die Grundlagen entzieht. Gerade Entwickler freier Software können sich Patentrecherchen nicht leisten. Diesen Widerspruch wird ein Paragrafenmensch nicht verstehen. Vielleicht existiert hier das grösste Problem. Ich als Softwareentwickler habe wenig bis kein Verständnis von den abstrakten Bildern im Kopf eines Juristen. Und dieser kann den Softwareentwicklungsprozess als etwas abstraktes nicht verstehen. Ich vermute auch, dass die meisten Juristen, das System der freien Software und was diese für die Kultur bedeutet, nicht verstehen. Sie können nicht ausbrechen aus ihrem Weltbild von Eigentum und Besitz des Bürgerliches Gesetzbuches. Allerdings muss man den Juristen zugute halten, dass sie wissen, wie man Geld verdient. Und wenn alle Quellen erschöpft sind, dann erfinden oder erweitern sie halt das Patentrecht.

Ich will nicht, dass um meine Ideen und Gedanken eine Berliner Mauer gezogen wird. Ich will meine Ideen verwicklichen können. Ich will weiterhin frei und unbeschwert programmieren können. Closed Source für meinen Arbeitgeber und Open-Source für mich privat.

[UPDATE] Zum Thema:
Spiegel Online - Gates drohte mit Arbeitsplatz-Export
Heise Ticker - Softwarepatentgegner fordern "ordentliche Richtlinie"

[UPDATE 2]
Heise Ticker - EU-Studie: Softwarepatentrichtlinie bringt amerikanische Verhältnisse
Heise Ticker - EU-Parlamentsspitze segnet Neustartantrag für Richtlinie zu Softwarepatenten ab
Heise Ticker - Bundestag gibt klares Votum gegen Softwarepatente ab

[UPDATE 3]
Schrille Blühten: Heise Ticker: Microsoft will Ungleich-Befehl für Basic erfunden haben

[UPDATE 4]
Heise Ticker: Wettlauf ums Wissen kritisch betrachtet
Heise Ticker: Public Patent Foundation sorgt sich um IP-Patent von Microsoft