Biegt man in Sevilla, der Haupstadt von Andalusien, von Córdoba kommend rechts ab, erreicht man die Provinz Huelva. Im Spätsommer 2003 haben wir in Huelva, im El Cortijo de los Mimbrales zwischen El Rocío und Matalascañas eine Woche Urlaub gemacht. El Rocío ist ein verschlafenes Westerndorf von knapp 700 Einwohnern, welches nur zu Pfingsten von hunderttausenden Wallfahrern besucht wird, die dort sherryseeliges Fest feiern. Matalascañas wiederum ist eine langweilige künstliche Ferienstadt, die nur im Hochsommer wirklich belebt ist. Als wir dort waren, waren die zumeist einheimischen Urlauber schon wieder abgereist und der Ort glich einer Geisterstadt.
Einzig der Nationalparkt Coto de Doñana und die weiten, Ende September, Anfang Oktober, menschenleeren Strände sind erwähnenswert. Ein herrlicher Ort also den Urlaub ruhig zu geniessen und sich zu entspannen.
Von unserer Unterkunft konnte man schnell Ausflüge in die weitere Umgebung machen. Dafür wird allerdings unbedingt ein Auto benötigt. Dann kommt man allerdings in Orte, die die Pauschaltouristen selten zu sehen bekommen. Im Norden der Provinz, an der Grenze zur Provinz Sevilla, liegt der Ort Minas de Riotinto, benannt zum einen nach den dortigen Minen und dem Fluss, der blutrotes Wasser führt. In den Minen wurde schon in der Kupferzeit das begehrte Metall abgebaut. Die Stadt, die Minen und das Museum sind einen Besuch wert. Alleine das grosse Tagebauloch (Corta Atalaya), mit einer Länge von ca. 1200 Metern, einer Breite von 900 Metern und 330 Metern Tiefe, ist imponierend. Die restliche Umgebung ein Mahnmal für die industrielle Zerstörung einer Landschaft.
Nördlich von Riotinto fährt man durch ausgedehnte Korkeichenwälder, die die Heimat des Grundstoffes des leckersten Schinkens dieser Welt. Die Schweine der Rasse Cerdo Ibérico, eine freilebende Mischung aus Wild- und Hausschweinen, fressen hier in den letzten drei Monaten ihres Lebens hauptsächlich die Eicheln der Korkeiche. Dies gibt dem luftgetrockneten pata negra einen feinen, nussigen Geschmack. Zentrum der Produktion des jamón ist Jabugo. Hier lagert er bis zu 24 Monate, bevor er in aller Welt als Delikatesse verkauft wird. Er kostet zur Zeit zwischen 7 € und 16 € für 100 Gramm. Den Schinken geniesst man als Tapa entweder pur mit einem kühlen Glas Sherries (Fino) oder als pan con tomato.
Die Korkeichenwälder sind auch Heimat des Kampfstieres, die hier, weitab vom Menschen, drei Jahre lang aufwachsen. Man mag vom Stierkampf halten was man will, sollte allerdings immer bedenken, dass die Wälder ohne diese Stiere von ihren Besitzern längst in Monokulturen umgewandelt worden wären. Auch weiss ich nicht was brutaler ist. Ein Stierkampf, in der das Tier innerhalb von 15 Minuten getötet wird, dafür aber 3 Jahre frei leben kann. Oder ein Zuchtrind, welches schnell hochgepäppelt wird und dann auf dem Schlachthof stundenlang spührt, wie Artgenossen industriell getötet werden.
Gabi und ich haben in Sevilla auch einen Stierkampf besucht. Zuerst war Gabi dagegen. Sie hatte Angst, dass sie es nicht durchhalten würde. Dann ist sie allerdings doch mitgekommen. Als Archäologiestudentin argumentierte sie, kann man durch einen Stierkampf versuchen zu verstehen wie es bei den Gladiatorenspielen im alten Rom zugegangen ist. Das Experiment ist positiv ausgegangen. Die Corrida, die ausschliesslich zu Pferde stattfand, begann mit der Vorstellung des routinierten Töters Joao Moura. Der etwas langsame Stier starb beim ersten Stoss mit dem Degen auf der Stelle. Das Höhepunkt war allerdings die Vorstellung von Martin Burgos. Ich konnte mir bis dahin nicht vorstellen, was man mit von von einem Pferd alles machen kann. Der 24 jährige Matador stiess zum Beispiel zwei maximal 20 Zentimeter lange Banderillas kopfüber in den Nacken des Stieres oder ritt seitwärts, vom Stier verfolgt, einmal um die gesamte Arena. Da ist es kein Wunder, dass er das Pferd dreimal wechseln musste. Nach einer, aus meiner Sicht, fehlerfreien Vorstellung bekam er zwei Ohren.
Wenn wir wieder eine Gelegenheit haben eine solche erstklassige Corrida zu besuchen werden wir es auf alle Fälle tun.
Rezept: pan con tomato con jamón
Weissbrot aufschneiden und die Innenseite rösten. Mit einer aufgeschnittenen Knoblauchzehe die geröstete Fläche einreiben. Eine vollreife Tomate halbieren und ebenfalls mit der Schnittfläche fest über das Brot reiben, so dass Fruchtfleisch hägen bleibt. Anschliessend mit Olivenöl (am besten aus Baena) beträfeln. Nicht zu dünn mit pata negra belegen und sofort servieren.
