Gabi und Sascha
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Say no to EPatents Die Diskussion um Softwarepatent geht weiter. In der gleichen Woche, in der Franzosen und Niederländer in Referenden der EU-Verfassung eine Absage erteilt haben, will der Rat der EU weiter machen wie bisher. Das heisst Missachtung der Vertreter des Souveräns bei voller Unterstützung der grossen Player der Softwareindustrie. Um eine weitere Entfremdung der Bürger von den Regierenden muss man sich dabei keine Gedanken machen. Das kommt von ganz alleine.

Allerdings kann man es auch so sehen: Software kann jeder. Programmieren ist nicht komplexer als beispielsweise einen Roman oder Krimi zu schreiben. Man lernt eine Sprache, wendet die vorgegebene Syntax mehr oder weniger korrekt und sinnvoll an und macht etwas sinnvolles. Auch in einem Buch oder einer Kurzgeschichte kommt der Autor in unerwartete Situationen und muss diese lösen. Programmierer machen den ganzen lieben langen Tag nichts anderes. Und wie bei Buchautoren kommen auch Softwareentwickler auf ähnliche Ideen, verwenden ähnliche Muster zur Lösung. Im Grunde ist Software also eine Art Literatur.

Aber das veröffentlichen von etwas die ich selbst geschrieben habe ist mein Grundrecht (Artikel 5). Habe ich es nicht selbst geschrieben und nur kopiert, dann greift das Urheberrecht. Geschriebener Programmcode ist also schon geschützt. Dies ist auch ein gängiges Argument der Softwarepatentgegner.

Softwarepatent gehen nun einen Schritt weiter. Sie sollen sowohl die Umsetzung in Programmcode als auch die Idee dahinter schützen. Einige Beispiele aus dem Gruselkabinett finden sich im Patentwebshop der FFII. Beispielsweise die grossartige Idee Filme über das WWW anzusehen. Das ist zur Zeit eigentlich noch nicht schützenswert, aber das Europäische Patentamt erteilt diese Patente schon einmal vorsorglich und unsere Regierenden wollen nur die gängige Praxis legalisieren, wie auch den schweren Diebstahl, der ist dann nächstes Jahr dran ist.

Wenn allerdings Ideen geschützt werden, dann kann ich mich nicht mehr frei entfalten. Ich werde immer stärker eingeschränkt und kann bald nichts mehr tun, denn es kann sein, dass ich die Ideen von irgendjemanden da draussen verletze. Und damit wird dann auch Artikel 2 der Ökonomie geopfert.
Oder besser: Ideen sind ein schützenswertes Gut und indem ich sie auch habe und nicht dafür bezahle verletze ich die Rechte anderer und das wars dann.

Die Gedanken sind frei und Geschichte wiederholt sich.

[Nachtrag] - Einen schönen beschreibenden Artikel dazu bei Jürgen Ernst.

Zum vergrössern klicken - Bild Werbung Berlin 2005-06-13 Und wer räumt die Sauerei in der Laube jetzt weg?