Gabi und Sascha
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[OWLEYE] Am 28. Juni 2005 hat Bundesinnenminister beim acatech Symposium eine Rede zu Computern in der Alltagswelt gehalten. Dabei kam er natürlich auch auf sein Lieblingthema der letzten Monate zu sprechen, den .

Um Terrorismus bereits im Vorfeld abzuwehren, muss man die Terroristen an ihrer Einreise nach Deutschland hindern. Die Dokumentensicherheit ist daher ein weiteres Feld unserer Anti-Terror-Politik, in dem auch der kontaktlose Chip zum Einsatz kommt. Fälschung von Reisedokumenten ist ein ernstzunehmendes Problem. Die Grenzschutzdirektion berichtete für das Jahr 2002 von 7700 Untersuchungsfällen mit folgendem Ergebnis:

  1. Total gefälschte Reisepässe: 383 (davon 290 aus EU-Staaten)
  2. Inhaltlich verfälschte Pässe: 1480 (davon 394 aus EU-Staaten)

Das ist eine offene Flanke, die wir schließen müssen. Deutsche Dokumente sind gewiss sicherer als die meisten internationalen Dokumente und diese Diskrepanz muss überwunden werden, indem wir die Dokumentensicherheit international verbessern und biometrische Kontrollmethoden ermöglicht werden. Gleichzeitig darf sich Deutschland nicht ausruhen – Betrüger und Fälscher lernen ständig dazu, versuchen stets, aufzuholen. Insoweit ist der Einsatz von Hochtechnologie ein Element, um unseren Vorsprung in der Sicherheit auch weiterhin aufrechtzuerhalten.

Es stellt sich natürlich bei solchen Zahlen und der Diskussion auch die Frage, ob noch fälschungssicherere Dokumente wirklich ein mehr an Sicherheit bringen und ob sie wirklich nötig sind. So hat es im Jahr 2002 in Deutschland 35 gefälschte Pässe gegeben und 30 gefälschte Personalausweise ID-Dokumente. Bei knapp 80 Millionen Menschen eine erschreckend niedrige Zahl, zumal im gleichen Zeitraum 91 Blankovordrucke von Reisepässen entwendet wurden (Quelle).

Für Dokumente aus dem Ausland ergeben sich weitere Probleme. Hierzu hat beim "Adlershofer Kolloquium" am 28. Juni 2005 (Redetext als PDF) einige launige Anmerkungen gemacht. Für korrekte Dokumente wird nicht nur eine sichere Technik benötigt, sondern auch eine entsprechende Infrastruktur. In den USA existiert z.B. kein Meldewesen wie in der Bundesrepublik. Dort bekommt man einen Reisepass, wenn den zuständigen Behörden z.B. die Sozialverischerungsnummer gegeben wird, die letzte Gasrechnung, der Führerschein (nicht unbedingt mit Lichtbild) und die Geburtsurkunde. Allerdings scheint es in den USA ca. 350.000 unterschiedliche Arten von Geburtsurkunden zu geben. Den Behörden müssen die Papiere nur plausibel erscheinen.

In Rußland, so hat es einmal der finnische Botschafter formuliert, bekommt man einen Reisepass auch mit entsprechenden Papieren. Diese müssten grün sein und von der US-Notenbank herausgegeben werden. Auf Dollarbasis ist es also kein Problem die nötigen Dokumente zu bekommen.

Ein mehr an sogenannter Fälschungssicherheit bringt also erst einmal nicht viel, um Terroristen abzuschrecken. Dies auch vor dem Hintergrund, dass beispielsweise ein Pass in Deutschland 10 Jahre gültig ist. Die letzten konventionellen Pässe werden erst 2015 ungültig. Bis dahin können die herkömlichen Pässe weiter gefälscht werden. Und in 10 Jahren haben dann auch die bösen Buben ihr Handwerk gelernt.

Es wird also maximal ein mehr an gefühlter Sicherheit geben. Welches Vertrauen verspielt wird, weil das Big Brother Gefühl immer stärker wird und das ganze Verfahren zutiefst undemokratisch ist, steht auf einem anderen Blatt.