Vor langer langer Zeit, da begab es sich das Träumer das Internet für eine Revolution hielten. Die davon träumten jenes – seit Ewigkeiten herrschende – System zu Staub zerfallen zu lassen. Nicht mehr nur ein paar wenige Könige sollten Informationen anbieten, sondern jeder soll dies tun können. Das Internet sollte die Menschen befreien aus der Sklaverei der Unterhaltunsgindustrie. Jeder solle in Zukunft Informationen anbieten können, denn durch das Internet werden die knappen Ressourcen der elektromagnetsichen Wellen, die den Inhalt der Radio- und Fernsehstationen transportieren, umgangen (wobei mir bis heute niemand schlüssig erklären konnte, wieso es sich ein Staat anmaßen kann eine elektromagnetische Frequenz, deren Erzeugung jeder bewerkstelligen kann, als sein Eigentum zu betrachten, um ihre Nutzung für horrende Summen zu verkaufen).
Leider erwies sich das Erzeugen von Inhalten als äusserst mühsam und viele der Geschundenen dachten gar nicht daran selbst etwas zu erschaffen. Viel einfacher ist es doch sich der andere Leute Arbeit einfach so zu nehmen. Für lau. Über den Esel zum Beispiel oder einen seiner Artgenossen. Ja, sie informierten sich auch. Sie lasen die Zeitschrifte, für die sie bisher viel Geld ausgegeben hatten jetzt für gar kein Geld mehr im Internet und sie priesen dies als den neuen Weg. Sie merkten nicht, dass dies kein neuer Weg ist sondern der alte, nur in neuer Verpackung.
Und es begab sich eine Zeit, in der die Technologie immer stärker vorranschritt. Akustikkoppler verschwanden und wurden durch Modems ersetze. Die klassischen Telefonmodems verschwanden und die Konsumenten erfreuen sich an der DSL Technologie und ignorieren das kleine A, welches viele davor stehen haben. Was macht schon ein A aus, wenn man die neuesten Verkündigungen der Götter jetzt noch schneller bekommen kann? Das A macht leider sehr viel aus, denn es bedeutet, dass der Konsument sich damit abgefunden hat nur Konsument zu sein. Das A steht für asymetrisch und bedeutet, dass man zwei verschiedene Geschwindigkeiten im Internet hat. Etwas herunterladen geht schnell, etwas verschicken dagegen ist langsam. Sehr viel langsamer sogar. Und damit ist dann auch technisch die Welt wieder in Ordnung. Einige wenige bieten Informationen an und die Lurker schauen weiter zu und nennen ihr eseln Filesharing obwohl sie gar nicht richtig sharen können.
Und wenn sie nicht verblödet sind, dann glauben sie noch heute, dass das Internet die Welt freier macht. Und das wollen die meisten auch gar nicht. Die wollen nur weiter billig schmarotzen.
Nein, ich teile ihnen nicht mit, dass sie zu faul sind. Sie sind Kosumenten. Sie kennen es nicht anders. Denn, wie ich es schon geschrieben habe, dass produzieren von Inhalten ist ein schwieriger Prozess. Dabei ist es egal ob es sich um ein Buch handelt, um Musik oder Software. Und diejenigen, die schon bisher Inhalte produziert haben, nutzen eben zusätzlich die Vernetzung. Ich habe schon Software entwickelt, als der Begriff Akustikkoppler kaum bekannt war. Deswegen gibt es aber nicht mehr Produzenten.
Auch vor der Vernetzung konnte jeder Punkt der Welt an dem es Strom gibt ein Studio sein. Das Telefon (Netz) hat damit herzlich wenig zu tun. Es hilft uns nur dabei auf anderen Wegen zu kommunizieren. Die Vernetzung dabei ins Spiel zu bringen ist genauso als würde man sagen, unsere Umwelt würde ohne Computer nicht mehr funktionieren. Sie sei zu komplex geworden. Und genau das ist falsch. Unser Umwelt würde ohne Computer auch weiterhin funktionieren. Das hat sie über locker bis vor ca. 20 Jahren geschafft. Wir können uns bald nur nicht mehr vorstellen wie - gerade auch wir, die immer ziemlich nah dran sind an der Front der technischen Innovationen. Hier geht ein Teil unseres kulturellen Gedächnisses verloren. Aber das halte ich nicht für schlimm, soetwas passiert immer wieder.
Allerdings verdrehst du einige meiner Kritikpunkte. Ich spreche nicht von inaktiven Menschen. Konsumenten können eine Menge Aktivitäten entwickeln, um z.B. die günstigsten Angebote zu ermitteln. Nichts anderes ist kostenloser Content aus dem Internet - kurzfristig.
Ich kenne sehr wohl den Begriff Prosumer, halte diesen Begriff aber für ein nettes Wort zum Bullshitbingo spielen. Was beschreibt er schon? Ein mit sich selbst beschäftigtes Individuum. Wenn ich das falsch verstanden habe, würde es mich freuen, wenn du mich korrigierst. In unserer Welt interagieren wir allerdings mit anderen Menschen. Wenn ich einen Blogeintrag schreibe, dann konsumieren ihn andere. Aber ich schreibe doch nicht nur für andere Blogger. Ich entwickel auch keine Software um der Softwareentwicklung willen.
Kernaussage des Ganzen war übrigens: durch die fortschreitende asymentrische Vernetzung wird der, an das Broadcastingmodell gewöhnte, Konsument wieder dahin gebracht wo die Industrie ihn haben will. Diese Aussage ist nicht rüber gekommen. Den Schuh muss ich mir anziehen. In dieser Beziehung ist deine Kritik vollkommen berechtigt.
Allerdings sehe ich auch, dass Menschen aufgrund der Veränderungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aktiver mit ihrer Umgebung und den technischen Möglichkeiten agieren (müssen) - und dabei prinzipiell frei sind von Grenzen, religiösen Barrieren und gesellschaftlichen Schranken. Und vor allem ist beim Internet im Vergleich zu allen anderen Medien die Hemmschwelle zum eigenen Beitrag am geringsten - sowohl was die technischen Voraussetzungen angeht als auch die Gefahr, sich durch eben diese Beiträge auf ewig persönlich zu "outen","blamieren", was auch immer.
Im Prinzip reduziert das Medium seine Teilnehmer auf die Formel "Mensch hinter Nickname" und gibt uns damit 2 Chancen: NUR anhand der eingebrachten Worte und Taten gemessen zu werden und vor allem die eigene (virtuelle) Existenz jederzeit von 0 starten zu können - ohne die Erfahrungen aus dem vorigen Leben zu verlieren.
Dass die momentane Nutzung weit hinter den theoretischen Möglichkeiten hinterherhinkt stell ich nicht in Frage - in Hinsicht auf zukünftige Entwicklungen wage ich es aber, auf meinen Optimismus zu beharren.
Bei dem Tonstudio(etc.)-Beispiel hab' ich mich etwas unglücklich ausgedrückt. Ausgangspunkt dieses Gedankens war eigentlich "1 Mensch + 1 Laptop". Dieser ist dann eben nicht mehr gezwungen, seine Mitstreiter zu einer festen Uhrzeit an einem festen Punkt zu versammeln.
Was unsere Umwelt angeht hast du eindeutig Recht - solange du Umwelt als natürliche Umgebung definierst. Sobald man aber die menschliche Infrastruktur mit in die Rechnung nimmt, sieht es gleich ganz anders aus - nichts geht mehr ohne Computer/Vernetzung.
Der Begriff "Prosumer" mag zum Buzzword-Bingo einladen - wie jedes Wort, dass man nur ob seines Effektes und nicht seiner Bedeutung einsetzt. Die Definition von dir und Wikipedia sind mir dabei leider viel zu egozentrisch, grad so als würde der Prosumer mehr schlecht als recht vor sich hin wurschteln um nur seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Das stimmt so nur für den Urtyp, den Selbstversorger in einer Agrargesellschaft.
Heute und in Zukunft geht es darum, mit den vorhandenen Mitteln und eigenen Möglichkeiten einen Mehrwert für sich UND seine Mitmenschen zu schaffen - dezentral, "on demand", "just in time" und vor allem eingebettet in ein soziales Netz, dass herkömmliche "Produzent-Verkäufer-Konsument"-Trennungen nicht bieten (können). Dabei lösen sich sowohl die herkömmlichen Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit als auch zwischen Privat- und Volkswirtschaft auf. Wir befinden uns gerade am Anfang - die alten Systeme zur Massenabfertigung im Dienste der Industrienationen igeln sich ein, während vom Privatmann über den Interessenverein bis zur multinationalen NGO alle Morgenluft schnuppern und bereit sind, auf den Trümmern alter Strukturen ihre Claims abzustecken.
Sicher wird es auch hier - wie bei allen menschlichen Verteilungskämpfen - nicht ganz ohne Hauen und Stechen abgehen. Allerdings sind mir die sich daraus ergebenden Möglichkeiten durchaus Prellungen, Schürfwunden und 'ne blutige Nase wert.
Um zum Schluss dann nochmal zum Thema zu kommen: ich sehe durchaus die Gefahr, dass sich deine Befürchtungen noch einige Zeit bestätigen. Doch auch wenn das "A" in ADSL nur ein kleines Loch in einem grossen Damm bedeutet - es ist ein Loch, das durch permanenten Druck ständig wächst. Und das bestärkt mich in der Hoffnung, dass mittel- bis langfristig dann auch meine Visionen Realität werden.

Ich werde mich ganz sicher nicht diesem dumpfen Gemisch aus Zukunftsangst und Bildungsverweigerung beugen - das wissen meine internationalen Kontakte und Informationsquellen schon zu verhindern. Wenn du von den gegebenen Möglichkeiten nur die des Leechens nutzt ist das deine Entscheidung - aber bitte nenn weniger bornierte und inaktive Menschen nicht "verblödet".
Einen Infohappen hab ich noch: das Wort "Prosumer" (dt. "Prosument") hat hoffentlich genug Potential, dein industrielles Massendenken ein wenig aufzulockern.
Ein Prosit (mit Kaffee) auf die Zukunft.