Die moderne Welt ist voller Fallstricke. Technik macht unser Leben nicht einfacher, sie versucht nur die Komplexität hinter einer einfachen Fassade zu verstecken. Das klappt leider viel zu selten, weil das Geschäftskonzept Einfachheit nicht einfach zu erreichen ist. Am Wochenende habe ich wieder einmal ein sehr anschauliches Beispiel dafür erhalten. Wir waren in Nordenham bei meinen Eltern. Eine der Hauptaufgaben war es das neu angeschaffte Navigationsgerät, kein TomTom, sondern ein PDA von Yakumo, so zu konfigurieren, dass der Jahresurlaub stressfreier wird. Dieses Unterfangen artete für mich in Stress aus.
Ich kann noch so gerade verstehen, dass der Verkäufer des technischen Wunderwerkes davon ausgeht, dass ein Käufer des selbigen einen Windows PC hat. Haben meine Eltern allerdings nicht. Also haben wir einen mitgebracht. Auf dem war zum Glück noch Windows installiert. Darauf kann man dann, in einer schier endlosen Prozedur, erst einmal das nötige Kartenmaterial von Marco Polo installieren. Nachdem das erledigt war schloss wurde der PDA mittels des mitgelieferten Kabels an den Rechner angeschlossen. In der Kartensoftware hätte jetzt die Option zum übertragen neuer Karten auf den PDA nicht mehr ausgegraut sein sollen. Der geneigte Leser ahnt was kommt, die Option war natürlich weiterhin ausgegraut. Auch nach einem Neustart des Rechners. Dafür teilte die Software jetzt mit, dass ActiveSync nicht installiert ist. Dies allerdings nicht etwa mittels einer, auch für Laien, verständlichen Mitteilung, sondern nur darüber, dass ein Registryeintrag nicht vorhanden war. ActiveSync war tatsächlich nicht installiert. Kein Problem. In der PDA Kurzbeschreibung steht, dass die Software auf der mitgelieferten CD vorhanden ist. Leider war auch nach längerem suchen keine solche CD aufzufinden. Meine Eltern versicherten mir ein ums andere mal, dass sie mir alle CDs, die im Karton lagen, gegeben haben. Sowas kann in Familien sehr stressig werden.
Wenn man keinen Computer hat, hat man in der Regel auch keinen Internetzugang. Und da meine Eltern aus Mangel an Interesse auch nicht wissen, ob es in Nordenham ein Internetcafe gibt, wurde es jetzt kompiliziert. Denn als Rentnerehepaar kennt man auch nicht unbedingt viele Menschen in der näheren Umgebung, die soetwas haben. Also haben wir meinen Bruder angerufen. Der hat allerdings weder einen CD-Brenner, noch einen USB-Stick auf welchen er die Software hätte kopieren können. Abhilfe gab es dann bei Gabis Schwester, die nur ca. 50 Km entfernt wohnt. Sie hat zumindest einen ISDN Zugang und einen Brenner, so dass die Software aus dem Netz geladen werden und auf CD übertragen werden konnte. Auf dem Notebook konnte dann auch alles installiert werden. Schöne neue Welt.
Dann ging es an die Karten. Das erstellen einer Neuen ist mit den dazugehörigen Assistenten gar nicht schwierig und man kann es mit etwas Computererfahrung ohne Handbuch durchführen. Laien haben keine Chance! Die müssten sich erst einmal das Handbuch durchlesen. Entweder direkt am Bildschirm (igitt) oder ausdrucken. 94 Seiten sind dabei nicht ganz ohne, aber machbar, wenn man, man ahnt es, einen Rechner und gar einen Drucker hätte…
Es ging auch ohne. Einfach die installierte Karte (siehe oben) auswählen und beschreiben was alles mit abgebildet werden soll (Sehenswürdigkeiten, Campingplätze, Tankstellen, Golfplätze, Hotels usw.). Ist das erledigt kommt ein kleiner Dialog, welcher sagt, dass, je nach Datenmenge, auf die Berechnung einige Minuten gewartet werden muss. Einige ist dabei ein relativer Begriff. Denn die Berechnung ging relativ schnell. Sie dauerte nur ca. 360 Minuten pro Karte. Ein Notebook mit einem 1,4 GHz Prozessor ist eben nicht das schnellste. Dabei kann man noch nicht einmal Karten der Schweiz und Italien zusammenführen. Nein, im PDA erscheint jede Karte einzeln. Für die Routenplanung nicht gerader sehr kompfortabel.
Zwischenfazit: Zu kompliziert und für Computerlaien vollkommen ungeeignet.
Für Fußgänger, die sich die Innenstädte, z.B. von Florenz, anschauen möchten sind solche PDAs mit ihrem doch recht kleinen Display völlig ungeeignet. Ist der Kartenausschnitt so klein, dass die Beschriftung der Strassen, Hotel, Sehenswürdigkeiten usw, eingeblendet werden kann ohne das es eine unentwirrbare Buchstaben- und Iconsuppe wird, geht der Überblick verloren. Ewig die Ausschnittsgrösse ändern führt nur zu dazu, dass man das Ding aus Frust vom Campanile von Pisa schmeisst. Wenn man nicht vorher dagegen gelaufen ist.
Da ich schon einmal das Ding in Hände hielt habe ich auch ein wenig damit herumgespielt und die Notizfunktion ausprobiert. Leider hatte die Schrifterkennung bei mir keine Chance. Die Ergebnisse waren sehr lustig, aber nicht zu gebrauchen. Und da ich meine Handschrift nicht der Technik anpassen will, da ich nicht einsehe, dass ich mich den Macken der Technik unterwerfen soll, bleibe ich vorerst beim papierenen Notizbuch. Ausserdem störte mich bei der Software, dass ich wieder mit soetwas nebensächlichem wie einem Dateisystem zu tun habe. Kann man soetwas nicht vor dem einfachen Benutzer ausblenden? So hingegen war das ganze System voller Neuer Ordner, die „irgendwie” vom Himmel gepurzelt sind ![]()
Fazit: Ich bin von der ganzen Technik in keinster Weise überzeugt, eher masslos entäuscht!
