Auf meinem täglichen Weg zur Arbeit muss ich nach Kreuzberg. Genauer geschrieben, steige ich im U-Bahnhof Schönleinstraße aus. Dort arbeitet ein Mensch, der die vorbeigehenden U-Bahngäste um ihre nicht mehr benötigten Fahrkarten bittet. Bekommt er eine, dann kann er sie für 50 Cent oder einen Euro weiter verkaufen. Damit verdient er ungefähr 10-15 Euro in 3-4 Stunden.
In den letzten Tagen hatte er ein paarmal Konkurrenz. Eine zweite Person stand ebenfalls dort oben und versuchte Fahrscheine ab zu fischen. Am Anfang stand die Konkurrenz hinter Jango (Name von der Red. geändert) vom Bahnsteig aus gesehen und damit natürlich im Nachteil, denn die Karte wird meistens kommentarlos dem vorne stehenden in die Hand gedrückt. Dieser muss dann zusehen, dass er die Fahrkarte wieder verkauft. Das geht am besten, wenn er die Treppe runtergeht, zum Fahrscheinautomaten auf dem Bahnsteig. Er braucht dann normalerweise nur ein paar Minuten, bis er jemanden gefunden hat, der ihm die Karte abnimmt. Aber seinen Platz oben hat dann natürlich gleich die Konkurrenz besetzt und Jango muss sich wieder hinten anstellen.
Die Konkurrenz hat gestern das Geschäft optimiert. Sie arbeitete zu zweit. Einer nahm die Karte entgegen und sein Kumpel kam dann und versuchte sie unten zu verticken. Das machten sie natürlich auch nicht den ganzen Tag. Jango war nämlich selbst Schuld, er wilderte zur falschen Zeit, nämlich Abends, im Revier der Konkurrenz. Jetzt arbeitet er wieder vormittags.
Egal ob du ganz unten bist und Kohle trotzdem ehrlich ranschaffen willst oder weiter oben, die Konkurrenz ist hart und unerbittlich. Nur die Fallhöhe ändert sich.
