Gabi und Sascha
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[FERNSEHTURM IN BERLIN - BLAU]
Fernsehturm - Festival of Lights

 

Bei Blog Age einen Eintrag über sinnvolles Tagging und Tagwolken gelesen. Eigentlich keine neue Erkenntnis dort. Nur, die Regeln werden sich nicht durchsetzen, da auch das Mensch-Maschine Interface zu kompliziert ist. Ich selbst halte z.B. die Pluralbildung für Blödsinn, weil sie nicht den Wortstamm abbildet. Zum Suchen muss dann wieder ein Stemmer drüber gehen, um die Stammform zu finden. Auch wenn ich hier selbst inzwischen Tags anbiete, sinnvoll finde ich sie nicht wirklich und verwende sie höchstens als Link für ein erweitertes Kategoriensystem. An meiner Meinung vom Juni hat sich nichts geändert. Suchwerkzeuge wie z.B. Lucene, welches zur Zeit auch hier zum Einsatz kommt, sind da erheblich effektiver. (Gefunden wie Schockwellenreiter)

Und bei Telepolis eine schöne Gesichte über Deutschland und die Unfähigkeit zu Reformen: Angriff auf die "Schreibgemeinschaft".

Heute habe ich mal wieder das Bezirksamt am der Franfurter Allee besucht. Nicht unbedingt aus Langeweile, sondern weil ich keinen Pass mit -Chip haben möchte. Ich bin mit der Einführung dieser Technologie, die aus meiner Sicht kaum einen Sicherheitsgewinnn bringt und vielmehr der besseren Überwachung der Bürger dient, nicht einverstanden. Ausserdem möchte ich dafür dann auch nicht in 18 Monaten mehr als das doppelte bezahlen müssen.

Der Besuch eines Kunden bei einem Monopolisten hat dabei immer wieder etwas erniedrigendes. Dabei geht zumindest das Betzirksamt Friedrichshain sehr subtil vor. Das Personal ist sehr freundlich, wünscht einen Guten Tag und verabschiedet den Kunden zwischen den Terminen mit einem Lächeln auf den Lippen. Der Knackpunkt ist zwischen den Terminen. Der erste Termin war am Empfang. Dort wird man zügig bedient. Die nette Frau hinter der Rezeption fragt nach meinem Begehren. Wenn man 197 cm gross ist wirkt so eine Rezeption zumindest nicht wie ein Bollwerk. Nachdem ich ihr meinen Wunsch genannt hatte, zog sie für mich eine Wartenummer aus einem Automaten an der Wand und verwies mich, mit dem schon beschriebenen Lächeln, in den Wartebereich im 1. Stock.

Da im Erdgeschoss nicht sehr viel los war machte ich mich frohen Mutes auf in die nächste Etage. Dort wurde ich dann leider eines Besseren belehrt. Der Warteraum war voller Menschen, die grösstenteils phlegmatisch vor sich hin starrten oder in Zeitungen blätterten. Die freundliche Dame am Empfang hatte für mich die Nummer 79 gezogen. Die Wartenummernanzeigetafel zeigte die 19 an. Eine erste Ernüchterung kam auf. Ich setzte mich auf einen der kalten, hässlichen Stahlstühle und begann ebenfalls zu lesen. Unterbrochen wurde ich die erste Zeit nur durch den Gong, der anzeigte, dass die Wartenummernanzeigetafel eine neue Nummer anzeigt. Nach dem 10. oder 20. Mal habe ich mich aber auch dafür nicht mehr interessiert. Auch das Getuschel der übrigen Bittstellenden filterte mein Gehirn nach einiger Zeit heraus. Allerdings nicht die Frage, warum Menschen in Warteräumen immer tuscheln und leise sprechen, ihren Handies aber gleichzeitig erlauben sie bei jeder SMS durch eine höllische Kakophonie aus dem Dämmerzustand zu erwecken.

Durch meinen Grosshirnfilter nahm ich nach einiger Zeit dann aber doch war, dass das mit der Nummer 79 eine ganz bösartige Show ist. Es wurde nicht einfach von 19 hochgezählt. Nein, so einfach machen wir es dem Kunden dann doch nicht. Zwischendurch wurden auch 100er, 200er und 500er Nummern eingestreut. Nicht nur ein oder zwei, manchmal auch hochzählend von z.B. 505 auf 517. Schlau, schlau. So macht man dann die einzelnen Zahlendifferenzen wieder kleiner und der Kunde denkt, er kommt schneller dran.

Nach 90 Minuten wurde mir dann auch noch kalt. Menschen die mich näher kennen wissen was das bedeutet. Für andere ist es dann schon saukalt. Weitere 55 Minuten später hatte auch ich es geschafft. Ich wurde vorgelassen zur Sachbearbeiterin. Auch diese lächelte mich freundlich und wärmend an. Sie zuckte nicht mit der Wimper, als ich ihr meinen alten Pass gab und sie sah, dass er noch 18 Monate gültig ist. Ja, das komme in letzter Zeit verstärkt vor, erklärte sie mir. Viele Leute wollen nicht den neuen Pass. Und ausserdem werde das ja sowieso ein Chaos in den ersten Wochen, wenn die Leute merken, dass die Passfotos, die sie im Automaten gemacht haben, wertlos sind, weil die Regeln für die Maschinen viel strenger sind (Klar, Maschinen sind doof). Und vor den 59 €, die sie dann den Menschen abknöpfen müssen, fürchten sie sich auch schon. Sie wissen nicht, wie sie das den Menschen erklären sollen.

Ich durfte dann noch meine 26 € zahlen. Für 145 Minuten Wartezeit und ein Büchlein mit 32 Seiten, welches mir noch nicht einmal gehört. Scheiss Monopole!