Eine der Merkwürdigkeiten der Globalisierung ist, dass Arbeitgeber die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter weltweit verschieben dürfen, potenzielle ehemaligen Arbeitsnehmern es aber nicht gestattet sein soll, die Produkte des Arbeitgebers zu verschieben.
es würde mich schon interessieren, was Äpfel und was Birnen sind :-)
Aus meiner Sicht ist beides eine Ware.
Nö, so einfach sehe ich das nicht. Wenn ich für das Produkt eines Unternehmens bezahle, dann geht das Eigentumsrecht daran an mich über. Und wenn ich mich mit dem besagten Unternehmen darüber einig bin einen Seecontainer des Produktes zu kaufen, dann kann ich mein Eigentum in diesem Seecontainer auch zum Südpol schicken. Oder meinetwegen auch in Länder, in denen der Produzent aus marktstrategischen Gründen sein Produkt nicht oder noch nicht anbietet. Der Produzent bittet mich ja auch nicht um Erlaubnis, wenn er seinen Bedarf an meiner Arbeit in einem andere Land einkauft.
Genau das ist die Globalisierungsmerkwürdigkeit. Alles soll frei sein und fliessen, Dienstleistungen (Arbeit) und Produkte. Aber sobald es irgendwelche Produzenteninteressen, ob Sony oder des Arztes oder Softwareentwicklers von nebenan tangiert, dann wird sich gleich wieder hinter Gesetzen und Verträgen verschanzt. Dann gelten nur noch die Freiheiten des Mächtigeren. Gegen einen global agierenden Konzern hat das Individuum aber keine Chance. Er kommt sich ohnmächtig vor, schon weil er keine Horde Anwälte bezahlen kann, die den Einzelnen locker bettelarm klagen können (zumindest in der Bundesdeutschen Ausprägung des Anwaltssozialismus, auch Bundesrechtsanwaltsgebührenordnung genannt). Oder die Lage der unterschiedlichen Regeln, Gesetze und Abkommen ist so überwältigend und komplex ist, dass der Einzelne sie nicht mehr überschauen kann (und vermutlich auch soll).
Lange Rede, kurzer Sinn, die eigentliche Globalisierungsmerkwürdigkeit liegt für mich darin, dass Konzerne das Risiko der Globalisierung auf das Individuum abwälzen und diesem gleichzeitig verbieten, sich dagegen zu wehren (was ich wiederum nicht kritisiere, denn versuchen kann man es ja :-) ). Dies führt letzendlich allerdings dazu, dass die Verlierer das Recht in die eigene Hand nehmen und dann kriminalisiert werden. Das geht meistens so lange, bis das System zusammenbricht, weil Widerstand immer einen Weg findet. Und jetzt drehe ich mich unter im revolutionären Kreis ;-)
Ich denke nicht, dass es um's können oder sollen geht. Die Globalisierung ist aus meiner Sicht ähnlich wie andere Erscheingungen, beispielsweise der Kapitalismus, kein Kunstprodukt. Er wurde nicht auf einem Reißbrett entworfen, theoretisch geplant und eingeführt, wie es annähernd mehrfach beim Kommunismus oder unterschiedlichen Anarchieausprägungen versucht worden ist. Die Globalisierung ist etwas, das entstanden ist. Und irgendann (nachträglich) haben schlaue Menschen die Situationen analysiert und dem Kind einen Namen gegeben. Nun versuchen andere oder gar die gleichen Menschen darauf aufbauend in die Glaskugel zu blicken wie es sich logsich fortsetzen wird, was getan werden muss usw. usf.. Eigentlich ist das alles Affenpisse. Die Erfinder der Spraydose waren sich auch nicht über die Konsequenzen bewusst, die Erfinder des Autos auch nicht. Wie denn auch? Woher denn auch die Empirie beziehen? Woher das nötige Grundlagenwissen haben? Aber ich schweife ab....
Die Leute von denen du schreibst, die "Mächtigen" sind noch nur Systemnutzer. Mehr nicht. Sie verändern das System und verändern es auch nicht. Sie nutzen es, weil sie gewissen "globale" Zusammenhänge erkannt haben, die für ihre Interessen positiv sind und gewisse globale Zusammenhänge oder auch gewisse logische Konsequenzen der als positiv analysierten globalen Zusammenhänge sind dann wieder negativ. Das wollen die Wenigsten, wenn sie in der Position wären (egal in welcher Position sie jetzt sind). Also nutzen sie andere Mechanismen des Systems, um die negativen Aspekte zu eliminieren, abzuschwächen oder einzugrenzen. Aber damit verändern sie denn dann auch wieder das System. Wenn eine hinreichend kritische Masse erreicht ist, wird ein Wandel statt finden. Er kommt langsam, erst ganz fein, ganz langsam, ganz unbemerkt. Irgendwann ist er da. Dann gibt es schlaue Leute, die analysieren das und geben dem Kind einen Namen.
Ich weiss nicht, ob die Globalisierung schlecht oder gut ist. Als Verteter einer einfachen Optimierungstheorie glaube ich, dass sich das Ding weiter entwickelt wird und wenn es Scheisse ist, dann wird es absterben. Es wird rein evolutionär genug Chancen haben sich zu verändern, aber wenn im grösseren Kontext Scheisse ist wird es trotzdem absterben, ebenso wie wir Menschen absterben, wenn wir Scheisse sind.
Das legitimiert natürlich keinesfalls dazu, nichts zu tun, wenn man etwas schlecht findet. Auch legitimiert es nicht, sich auf einer vermeintlichen Ohnmacht gegenüber was-auch-immer auszuruhen. Denn wie gesagt, letztendlich tut man etwas, wenn man etwas tut. Hmm, hier muss ich noch mehr nachdenken, was ich damit meine - das kann ich aber jetzt gerade nicht. Man optimiert eben im Sinne seiner eigenen Bewertungskriterien. Wenn also ein Sozialschmarotzer meint, damit seine Leistung zur Optimierung erbracht zu haben, dann finde ich das zwar nicht so toll, aber bei hinreichend grosser Masse wird dies Auswirkungen auf die Systemfunktionalität haben. Das Problem an der Sache wird dann vielleicht sein, dass die Auswirkungen nicht im Sinne des Sozialschmarotzers sind, weil der Gesetzgeber beispielsweise ab einer gewissen Stufe alle Leistungen streicht und der verhungert. Unter Anbetracht dieses Aspektes sollte man also zumindest sein Handeln mit gewissen theoretischen Grundlagen unterlegen.
Hmm, ich bin mächtig abgewichen von den Globalisierungsmerkwürdigkeiten. Aber eigentlich sind es gar keine Merkwürdigkeiten, sondern einfach nur Ereignisse, die zur (Weg)optimierung der Globalisierung führen. Wichtig ist doch, dass man seine Handlungen auf ein gewissen Glauben, ein gewisses Interesse und/oder ein gewisses Ziel auslegt. Kein Mensch kann verbindlich voraussagen, in welche Richtung sich etwas bewegen wird, bzw. er kann es nur für einen extrem kurzen Zeitraum und/oder eine extrem eingeschränkte Umgebung.
Mir fällt aber zu deinem Beispiel noch ein Leitspruch der Anarchie ein, den ich persönlich für sehr gut halte: "Die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo sie die Freiheit eines Anderen begrenzt". Das Problem and er Sache ist herauszufinden, wo die Grenze liegt. Z.B. in diesem Falle: Ich plädiere nicht für das Anarchogequatsche: "Eigentum ist Diebstahl". Somit gibt es für mich den Wert des Eigentums. Dann gäbe aber der Besitzer die Grenzen vor, was andere mit diesem Eigentum machen dürfen und was nicht.
Ich glaube, ich muss aufhören, aber....
Die Freiheit das Mächtigeren, wie du es schreibst - ja das ist ein Problem. Aber wir brauchen auch diese Unterschiede zur Bewertung. Kaum ein Mensch wäre in der heutigen Evolutionsstufe damit zufrieden, wenn beispielsweise alle gleich viel Geld oder Macht hätten. Das liesse sich dann ja auch wegkürzen. Der Ohnmächtige betrachtet das mit der Macht natürlich deutlich skeptischer und pessimistischer als der Mächtige. Letztendlich ist auch nicht Macht und Ohnmacht das Problem, sondern welcher Mensch hat Macht und was tut er damit.
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