Gabi und Sascha
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ist in der digitalen Welt schnell vervielfältigt. Musiktauschbörsen machen es vor und sind doch nur die Weiterentwicklung der Raubkopierringe von gestern. Geistiges Eigentum ist flüchtig und die vielen Menschen ist schwer vermittelbar, dass sie beim Kauf einer CD nur die Erlaubnis erwerben, den Inhalt dieser CD hören dürfen. Weiter verbreiten kann mitunter illegal sein. Deswegen kopieren viele lustig drauflos und scheren sich nicht um das geistige Eigentum, welches diese Musik repräsentieren soll. Wenn aber das Konzept des geistigen Eigentums so schwach ist, dass die meisten Menschen dies nicht nachvollziehen können, dann hat es verdient zu werden.

Und während ich dies hier schreibe frage ich mich, wie in einer DRM Kette, in der auch die analoge Lücke geschlossen werden soll, dann das eigentliche anhören von Musik oder lesen von Büchern funktionieren soll? Müssen wir uns demnächst ein digitales Interface in den Schädel dengeln lassen, so dass das Gehirn die Signale ohne Umweg über Ohr oder Auge bekommt. Mist, was sind wir Menschen doch unvollkommen.


Ich vertrete die These, dass derjenige der geistiges Eigentum klaut auch Socken bei H&M klauen würde, wenn dies genau so einfach wäre. Warum bitte ist denn das Kopieren einer Leih-DVD ein Kavaliersdelikt, aber das Klauen eines Möbelstücks bei IKEA nicht? Was ist das für eine Moral? Heute hat man ja den Eindruck, dass das Verschenken einer selbstgebrannten DVD mit illegal aus dem Internet geladenen Filmen den Stellenwert von selbstgestrickten Socken hat, die man verschenkt. Und die Standardargumente "Die verdienen doch so viel", "Wenn das nicht so teuer wäre" usw. sind doch wirklich fadenscheinig. Ist etwa eine Kinderhaarspange - billigste Blech mit billigster Farbe - für 1,98 günstig? Ist etwa ein paar Socken für 2,95 Euro günstig? Will mir etwa jemand erzählen, dass die Margen bei Universal, EMI, Sony und anderen so viel höher sind, als bei IKEA, Aldi, Metro, Unilever oder Henkel?
Sehr fadenscheinig....

Ich bin sicher, dass jeder Mensch bei H&M Socken klauen würde, wenn sie ihm passen und es keine Angst vor Verfolgung geben würde.

Allerdings denke ich nicht, dass es eine Sache des Preises ist. Bei geistigem Eigentum sehe ich auch kulturelle Probleme. Bis vor ein paar Jahren wurde geistiges Eigentum immer noch auf Datenträgern geliefert. Sei es ein Buch, eine Schallplatte oder eine CD. Diese Dinge konnte man sehen, fühlen und riechen, also mit mehr als einem Sinn erfassen. Auch war das Buch im Grunde nichts anderes als eine Socke mit erweitertem Inhalt. Mit der Virtualisierung von geistigem Eigentum fängt die Sache aber an komplexer zu werden. Bits und Bytes sehe ich nicht mehr. Sie befinden sich irgendwo in einem Computer. Sie kommen dort über ein Kabel an und mit einem Klick auf einen Button habe ich sie auch wieder gelöscht. Und genauso einfach muss ich sie mir dann auch wiederholen können. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dies für Menschen, die nicht täglich mit geistigem Eigentum zu tun haben, so wie du und ich, sehr schwer zu begreifen ist und dieses Begreifen, wenn überhaupt, einige Generationen dauern wird (ich vermute einmal EMI und Konsorten haben nicht so lange Zeit).

Merkwürdigerweise habe ich festgestellt, dass gerade Menschen, die täglich geistiges Eigentum produzieren, keine Hemmungen haben mal eben eine CD zu kopieren. Und, wenn es zutrifft, was ich über das Sony-Rootkit lese, dass sich selbst Konzerne, die ihr geistiges Eigentum schützen wollen, das Dritter mit Füssen treten, Stichwort Lame.

Diese kulturelle Komponente meine ich, wenn ich von einem schwachen Konzept spreche. Völlig absurd wird dies meiner Meinung nach dann, wenn den Menschen, denen das Konzept des geistigen Eigentums Dritter an einem Buch oder einem Musikstück schon nicht vermittelbar ist, die Idee der Logikpatente vermittelt werden soll. Damit enteignet man den Menschen seines Verstandes. Hier hört das Abstraktionsvermögen dann auf.

Es ist sicher auch eine Art kulturelle Evolution nötig, um das geistige Eigentum als etwas zu positionieren, dass auch seinen Wert hat. Die kulturelle Evolution ist glücklicherweise deutlich performanter als die genetische Evolution. Es stimmt, viele Menschen sind noch nicht reif für den Begriff des geistigen Eigentums. Aber ich weiss nicht, ob das unbedingt etwas damit zu tun haben muss, wie viel man damit zu tun hat. Ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen der älteren Generation eher etwas mit dem Begriff "geistiges Eigentum" verbinden und dies entsprechend reagieren, also Personen unserer Generation. Wie es sich bei den jüngeren Generationen verhält vermag ich gerade gar nicht so zu sagen. Hier kann ich mir vorstellen, dass der Diebstahl oftmals vollzogen wird, weil die Kohle nicht da ist und nicht, weil man anders darüber denkt (ausgeschlossen ist natürlich, dass man gar nicht darüber nachdenkt).
Was ich nicht ganz verstehe ist, was du mit der Verstandsenteigung meinst. Unabhängig davon muss Verstand da sein, um ihn zu enteignen und manchmal ist es bestimmt auch zu empfehlen, einen Verstand zu enteignen. Aber im Ernst, es hat schon eine gewisse Logik, dass man - wenn Softwarepatente möglich sind - auch gewisse Verahren mit denen man spezielle Romane inhaltlich erstellt patentieren lassen können muss.

Naja, so richtig schnell geht das mit der kulturellen Evolution nicht. Wir denken das nur immer, weil der technische Fortschritt in den letzten 500 Jahren immer schneller wurde. Aber wirklich weiter sind wir seit ein paar Jahrtausenden nicht. Seit unseren geistigen Urahnen in Griechendland das Drama und das Theater erfunden haben ist nicht wirklich viel neues dazu gekommen. Auf die griechischen Mythenwelt wird immer wieder Bezug genommen. Hinzugekommen ist nur Elemente aus der jüdischen Mythenwelt, deren Ideen im Christentum und im Islam weiter verwurstet (koscher?) wurden. Aber auch der Monotheismus ist nichts furchtbar neues. Nur die Form, wie das ganze verpackt wird hat sich ein wenig geändert.

Der Buchdruck ist dazu gekommen und hat die Verbreitung beschleunigt und das Medium des wandernden Geschichtenerzählers durch die Erfindung der Tageszeitung abgelöst. Als neues Medium hat der Film vermutlich einiges Neues gebracht, die alten Geschichten liessen sich jetzt mit neuen Stilmitteln anreichern und noch immer werden neue Stilmittel gefunden. Aber eben sehr selten. Tonwiedergabe ist auch eine neue Form. Aber ob Ton als Schelleckplatte, CD oder Audiocast konsumiert wird ist letzlich egal. Ebenso bei den bewegten Bildern.

Und auch die Gesellschaft hat sich nicht wirklich weiter entwickelt. Der letzte grosse Schritt, aus meiner Sicht, war die Gewaltenteilung von Montesquieu. Und davon entfernen wir uns gerade wieder mit riesen Schritten.

Verstandesenteignung
Logikpatente sind Patente auf Ideen und werden durch einen staatlichen Monopolschutz einem Erfinden(?) zugesprochen. Ideen für Prozesse und Dinge kann ich aber durch einfaches nachdenken viele haben. Aber unterschiedliche Menschen können die gleichen haben. Wenn aber nur einer Person die Verwendung einer solchen Idee zugesprochen wird, dann werde die anderen ihrer Ideen beraubt. Die Früchte ihres Verstandes werden also jemand anderem zugesprochen, sie faktisch enteignet.

Ich kann ja nicht bei jeder Programmierlösung, die ich gerade in die Tastatur hämmer überprüfen, ob nicht jemand anderes diese Lösung auch schon hatte oder gar in Patentdatenbanken recherchieren (wobei ich dafür auch noch eine Gebühr entrichten muss, diese Daten also nicht frei verfügbar sind). Wobei ich sowieso der Meinung bin, jedes Patent sollte in der Sprache des Landes, in welchem es gilt, vorliegen. Ich kann zwar Englisch, aber die Fachlichkeit von Patentanträgen verstehe ich nicht unbedingt immer. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun, richtig schnell schon im Vergleich zur genetischen Evolution. Ob das dann alles so reicht wird sich vielleicht mal rausstellen. Allerdings würde ich das auch nicht so skeptisch sehen wie du es hier schreibst. Und die Gewaltenteilung als den wohl größten Schritt der letzten Jahrhunderte darzustellen - hmm. Das klingt dann doch sehr negativ. Die Fülle von Wissen, Informationen und Ideen führt vielleicht zu einer Entschleunigung. Das kann schon sein. Die Bremse ist nicht schlecht, um zu erkennen, wo gebremst werden und wo beschleunigt werden muss. Die Evolution expermentiert. Wer und was auch immer hinter der Evolution steckt. Wir glauben nur, beeinflussend zu wirken. In einem sehr eng umgrenzten Subystem mag das auch so sein. Aber welche Auswirkungen diese Manipulationen auf das umgebende System bzw. das System, dass dieses umgibt (usw.) haben, weiss kein Mensch. Es geht hier nicht oder auch um den berüchtigten Schmetterlingsschlag oder um Wechselwirkungen. Aber das ist ja nun irgendwie dann doch ein anderes Thema.

Der erste Absatz der Verstandsenteignung richtet sich meiner Meinung nach nicht nur gegen Logikpatente. Er richtet sich allgemein gegen Patente, gegen den Schutz von Erfindungen. Diese fangen ja "irgendwie" im Kopf an. Woher weiss ich denn, wenn ich ein Gerät erfinde, dass dies nicht bereits von jemand anders erfunden worden ist? Ist doch dabei völlig Wurscht ob gedanklich oder real? Die Software ist doch auch nur die Umsetzung wie der Kronkorken oder eine Fliegenklatsche. Also die Frage ist dann doch eher wo man die Grenze zieht. Nur weil irgendeine HW dahinter hängt oder etwas greifbares, dass mit oder ohne Ingeneurskunst anfassbar real wird bedeutet das doch noch lange nicht, dass hier Patente erlaubt sein sollten.
Ich bin mir nicht schlüssig, ob Patente gut sind und wenn ja in welchen Bereichen. Aus öknomoischer Sicht halte ich die für nicht so toll. Patente machen Unternehmen faul und/oder blind. Sie sind sich ihrer Sache zu sicher. Und Sicherheit nimmt schnell eine Schwellwert an wodurch die Sicherheit zu einem der größten Unsicherheitsfaktoren wird.

Es lebe der fragile Entwicklungsprozess!