Gabi und Sascha
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Jawoll, der Stoiber Ede, der weiss wie mans macht. Gestern noch Verfechter der Marktwirtschaft will er jetzt, dass die gebeutelten Kinobesitzer »Tal der Wölfe« absetzen. Und das nachdem die blöden Muftis in den letzten Tagen etwas ruhiger geworden sind und nicht mehr irgendwelche rot-weissen Flaggen verbrennen oder Botschaften stürmen. Da bietet sich jetzt eine wunderbare Gelegenheit zur geistig moralischen Revanche an. Auf vor die türkische Botschaft, marodierende Horden. Jetzt könnt ihr kleinkarrierten Neoconards es ihnen zeigen. Könnt Demonstrationen und Massenkundgebungen organisieren.

Wie? In der Türkei war es ruhig? Keine Massenhysterie? Kein plündernder, aufgepeitschter Mob? Scheissdrauf, die haben dunkle Haare, dunkle Haut und fressen Knoblauch. Alle gleich!

Jawoll!!!

Die Einschläge der Vogelgrippe kommen näher. Von Rügen nach Berlin ist es nicht weit, zumal eine bekannte deutsche Vielreisende heute ihren Sonntagsausflug dort hin gemacht hat. Das Virus wandert und ich misstraue meiner verschnupften Nase. Daneben halte ich es für etwas übertrieben, wenn der Herr Fellow Passenger vorschlägt die WM 2006 als Naturkatastrophe einzuschätzt, nur damit der Verfassungminister Schäuble endlich seine Sturmtruppen vor dem Reichstag aufmarschieren lassen kann. Ansonsten im Osten nichts Neues.

Wir sehen gerade die Sendung »Täter, Opfer, Polizei« im RBB. Es wird ein Video gezeigt, in welchem ein subjektiv gut zu erkennender Mann einen anderen in der U-Bahn zusammen schlägt. Ein Tatverdächtiger wurde ermittelt, aber die Tat kann ihm nicht eindeutig nachgewiesen werden. Trotz der Videobilder. Trotzdem er eine Mütze auf hat, die normalerweise ältere Menschen tragen. Trotz der Hinweise des Opfers, dass der Täter einen ungepflegten Eindruck machte, was wohl auch auf den Verdächtigen hinweist.

Wozu dann aber auch noch eine Videoüberwachung? Was hat diese Totalüberwachung für einen Sinn, wenn man einfach abstreiten kann, dass man das auf dem Bild sei.

Am Donnerstag war ich mit einem Kollegen bei einem Workshop der Firma microTOOL zum Thema MDA mit dem Tool objectiF. Zuerst gab es eine kleine Einführung in MDA. Nichts viel Neues, aber es zeigte sich, dass es bei dem vorgestellten Produkt eigentlich um MDD geht.

Im Kernbereich des Workshops überzeugte das Tool bei der Demonstration nicht. Das lag weniger am UML Editor, als vielmehr an einem ziemlich undurchsichtigen Geschäftsmodell. objectiF selbst ist in einer hochpreisigen Liga, 2.300 € für eine Node-Lock Lizenz. 1.600 € mehr für eine Floating-Lizenz, anzusiedeln. Teuerer wird es, wenn es darum geht die MDA und MDD Fähigkeiten des System auszunutzen. Diese Fähigkeiten werden über sogenannte Transformatoren erreicht. Diese Transformatoren sorgen für Umwandlung des ins und dieses wiederum in den Plattformcode. Dies selbstverständlich auch zurück für den Roundtrip.

Nach dem Kommentar eines Workskopteilnehmers von RAD4.NET wird die Dokumentation der Transformer API in der Version 5 von objectiF noch mitgeliefert. Nicht aber in der aktuellen Version 6. Die Dokumentation dieser Schnittstelle muss man jetzt als Consulting- und Trainingsdienstleistung einkaufen. Laut eines Vertriebsmitarbeiters sind hierfür mindestens 10 Tage a 5.000 € fällig. Die Transformer kann man in einer der .NET-Sprachen entwickeln.

Im Entwicklungsprozess entsteht hierbei eine weitere Rolle, die des Transformer-Entwicklers. In kleineren Unternehmen sieht microTOOL diese Rolle beim Architekten angesiedelt. Dabei wurde nicht ganz klar, wo der Architekt im Model angesiedelt ist. Im PIM oder im PSM. In den Handoutfolien wird dies nicht komplett klar. Dies scheint mir auch eine weitere Schwäche der Herangehensweise a la microTOOL zu sein. Es impliziert, dass der Architekt sich nicht nur in seinem Domänenmodell auskennen muss, sondern auch im Modell der Transformerentwicklung. Und dabei muss er auch noch für eine stabile Sourcecodegenerierung sorgen. Das anwesende Team von microTOOL gibt zwar an, dass dies in relativ wenigen Personenwochen (2-12) möglich ist. Dies allerdings dann pro Layer, also Präsentation, Business und Persistenz. Der Domänenexperte z.B. für Abrechnungssysteme muss demnach auch für alle Layer Experte sein. Auch gibt es einen Technikbruch, wenn er in einer .NET-Sprache für einen J2EE Transformatoren entwickelt. Hinzu kommt, dass nicht ganz klar war, welche technischen Plattformen microTOOL von Haus aus unterstützt. Zumindest bei der Präsentation waren es Struts, Hibernate und JBoss. Kein JSF, kein BEA Weblogic oder IBM Websphere. Diese sind zwar angedacht und der Workshop dient hier auch als Feedback aus der Entwicklergemeine. Es wirkte aber irgendwie schwach.

Wir haben überschlägig kalkuliert, dass die Einführung von objektiF in unserem Entwicklungsprozess ca. 100.000 € kostet. Dafür holt man sich einen fulminanten Vendor Lock-In ins Haus. Irgendwie war das alles nicht so überzeugend. Und ich hatte den Eindruck, dass nicht wenigen der anwesenden Teilnehmern ebenso ging.

So erzählt es einem die Werbung und vermutlich auch Zahnärzte (gefragt habe ich noch keinen). Wahlweise wird einem auch weiss gemacht, dass Kaugummi kauen hilft. Natürlich nicht Hubbabubba, sondern spezielle Zahnweissschiessmichtotkaugummies. Bei labbrigen Fastfood mag das in Ordnung sein. Aber ich koche doch keine frischen Spagetti mit Trüffelpaste, um den Geschmack nach dem leckeren Essen gleich mit irgendwelchen Menthol-, Eukalyptus- oder Pfefferminzaromastoffen zu vernichten. Das hat doch keine Kultur.