Manchmal frage ich mich, woher plötzlich die Spezies Homo Powerpointis kommt, die scheinbar nicht in der Lage ist ihr Leben ohne Powerpoint und Outlook organisieren zu können. Ich vermute, dass diese Menschen schwer krank sind.
Nö, eigentlich ging sie nicht gegen eine spezielle Instanz. Nur sind gerade die beiden genannten Mitspieler in der ersten Liga ihrer jeweiligen Kategorien. Bei Powerpoint hätte man auch Locker Impress oder Keynote nenne können. Bei Outlook auch Notes. Aber wer kennt die schon?
Mir gings mehr um die Hörigkeit der Anwender gegen irgend eine technische Implementierung eines Konzeptes. Diese Anwender sind da zum Teil schlimmer als Autofreaks, denn die kennen wenigstens noch andere Marken. Aber bei Outlook vs. Notes höre ich ganz oft: Notes ist Scheisse. Dabei kennen diejenigen, die das sagen Notes gar nicht wirklich. Die kennen nur eine Oberfläche, die zugegebenermassen früher nicht gerade chic aussah, und reduzieren darauf das Gesamtkonzept. Das sind dann diejenigen, die Excel als Datenbank benutzen (Excel kann auch durch OpenOffice Calc oder sonstwas für ein Tabellenkalkulationssystem ersetzt werden).
Und Outlook wird sowieso durch Blackberry ersetzt. Ohne diese Mutation wird der Homo Powerpointis in zwei Jahren sowieso vom aussterben bedroht sein.
Bei dem womit ist beim untechischen Anwender meist schon Asche. Sie kennen ja meist nur ein Produkt, also ist es müssig über einen Vergleich zu sprechen. Das "Anlesen" von Vergleichen aus Zeitschriften mag vielleicht ein etwas versierterer Anwender noch tun. Meist aber bevor er ein Produkt kauft. Nur, dann ist es nicht sein Vergleicht, sondern deren Vergleich.
Bei dem technischen Anwender ist es dann so, dass durchaus gewisse Kenntnisse im Umgang mit anderen Instanzen erworben worden sind. Da ist aber die Frage wie verglichen wird. Oft ist es grausam. Da hat man beispielsweise 5 Jahre mit einer Instanz gearbeitet, man kennt also die Stärken und Schwächen recht gut. Nun nimmt man eine andere Instanz, mit einer anderen Philosophie, anderen Ergonomie, anderen Stärken und Schwächen. Man müsste also eigentlich auch ein paar Jahre in ähnlicher Intensität damit arbeiten. Dann wäre sicher ein guter kompletter Vergleich drin. Es müssen nicht wieder fünf Jahre sein, da man gewisse methodische Erfahrungen und generische Ansätze abziehen kann. Es kann auch sein, dass gerade ergonomische Aspekte nach recht kurzer Zeit dazu führen, dass die Instanz schlechter ist. Dies geschieht in der Regel dann, wenn die anderen Vorteile den Makel nicht ausreichend amortisieren. Aber leider arbeitet man ja anders. Dieses "anders" ist wieder abhängig von der Motivation. Einmal geschieht es vielleicht freiwillig, aus Neugier, der Not oder ähnlichem - in jedem Fall aus einen eigenen Antrieb. Ein anderes mal geschieht es auf Anordnung mit der man sich in der Form vielleicht noch nicht einmal identifizieren kann.
Ach so: Dann gibt es noch den Metavergleich. Gerade gestern erlebt!. Mit der Neueinführung von etwas verspricht man sich Kosten zu sparen, die Qualität zu erhöhen oder ähnliches. Das ist ja gut. Dann will man messen! Das ist ja auch gut. Dann gibt es also eine Kennzahl. Das ist ja schön. Dann gibt es aber die Frage wie man denn mit einer berechtigten Tendenz zum Objektiven messen will. Da wird es dann schon schwierig. Wenn es dann noch darum geht, dass man bei komplexen, langlebigen Projekten einen gewissen Prozentsatz einsparen will wird es gar unmöglich. Denn da ist ja schliesslich die Frage erlaubt: Wie ermittelt man, wenn das Projekt nach altem Vorgehen gar nicht umgesetzt wird? Es ist so ein bischen wie mit dem Fluß: Man kann genau sagen, in welche Richtung der Fluß sich bewegt, aber es ist nach heutigem Wissensstand unmöglich zu sagen in welche Richtung(en) sich ein einzelnes Wassermolekül des Flusses bewegen wird.

Na ja und Outlook, hmm. Genauso gut oder Schrott wie die anderen Tools oder? Im jetztigen Projekt sollte man auf Notes setzen. Klar hat es Macken. Aber die größte Macke ist nicht Notes, sondern dass jeder irgendetwas einsetzt und sich ein Dreck um Kompatibilität kümmert. Wie bitte soll man Termine koordinieren, wenn der Scheduler nur 10% der potentiellen Teilnehmer ernsthaft mit einbeziehen kann. Traurige Sache. Das ist leider oft auch eine erschreckende Eigenschaft der Techniker. Sie sind mit mehr oder weniger Featuren eines Tools unzufrieden und suchen sich dann eben ein anderes. Dabei scheren sie sich dann einen Dreck um die Möglichen fachlichen, sozialen und technischen Auswirkungen. Das ist Technoegoismus und ebenso gefährlich wie Technomonopole. Ein "normaler" Anwender kommt weniger in diese Situation. Er ärgert sich zwar auch mit einigen Problemen, nutzt aber das Werkzeug oder nutzt es schlimmstenfalls gar nicht. Letzteres ist auch extrem übel aber in Bezug auf die Auswirkungen mit einer geringeren Komplexität versehen.