Gabi und Sascha
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Breitband-Video über das Internet ist ein überbewertetes Thema. Man muss nicht Techniker sein, um zu verstehen, dass der ganze Hype um bewegte Bilder im Netz Augenwischerei ist. Breitband-Video über das Internet wird auf absehbare Zeit ein Nischenmarkt bleiben. Es ist die IP-Technik und die Datenmenge, die das Projekt zur Farce macht.

IP-Netze sind Punkt zu Punkt Netze (P2P), keine Rundfunk-Netze. In Rundfunk-Netzen (Broadcast) gibt es einen sendenen Kanal, den viele Empfänger gleichzeitig empfangen können. In IP-Netzen muss für jeden Teilnehmer ein Kanal (Verbindung) mit einem separate Datenstrom aufgebaut werden (Unicast). Mit Teilnehmer ist dabei ein Empfangsgerät gemeint, also ein Fernseher, ein Radio oder eben ein PC. PCs können dabei theoretisch auch mehrere Kanäle gleichzeitig empfangen und aufzeichnen.

Empfängerseite

Die Empfängerseite ist dabei die erste Herausforderung. Ein komprimierter Datenstrom für PAL-Bilder (und Ton) benötigt in etwa 1 MByte Daten pro Sekunde. Diese Datenmenge ist mit den heute gängigen 1-6 MBit/s DSL-Leitungen nicht zu übertragen. Für bewegte Bilder in DVD Qualität werden ca. 10 MBit/s benötigt. Für Bilder in HDTV-Auflösung wird die 6-fache Datenmenge benötigt - 60 MBit/s. Werden in einer Wohnung 4 unterschiedliche Sendungen gesehen, sind dies schon 240 MBit/s.

Das bisherigen Beispiel beschreibt den Status Quo: der klassische Rundfunk. Dieser kann in Deutschland auf eine gut ausgebaute Infrastruktur zurück greifen. Die Infrastruktur für eine IP-gestützte Verteilung ist erst in Grundzügen vorhanden. Der Ausbau verschlingt Unsummen.

Senderseite

Breitband-Video wird für Konsumenten erst dann interessant, wenn sich daraus neue Möglichkeiten des Medienkonsums ergeben. Erst dann ist er bereit für den Aufbau die nötigen Investitionen zu bezahlen. Zeitversetztes konsumieren ist hier ein Stichwort. Eine Sendung wird nicht mehr dann gesehen, wenn der Sender sie anbietet, sondern wenn der Konsument die nötige Zeit dafür hat. Der Zuschauer fängt an den Programmablauf zu steuern - wie er es beim Video- oder DVD-Verleih bereits heute tut. Mir würde dies sehr entgegen kommen. Ich müsste nicht erst den langweilgen Volksmusik und Fernsehfilm-Quatsch auf ARD und ZDF abwarten, um dann irgendwann ab 23 Uhr die interessanten Sendungen zu sehen.

Eine weitere Möglichkeit des Breitband-Videos ist es unabhängig von klassischen Rundfunk-Anbietern zu werden. Beispielsweise kann ein Show-Event ebenfalls via Breitband-Video gestreamt werden. Schauen sich den Event nur 100.000 Zuschauer gleichzeitig an, muss der Anbieter eine Netzwerk-Kapazität von knapp 1000 Gigabit am Sendezentrum bereit halten - nur um DVD Qualität zu erreichen. In den nächsten 5-10 Jahren wird keine Technologie bereit stehen, die diese Herausforderungen bewältigen kann. Deswegen werden die klassischen Distributionskanäle in diesem Zeitraum nicht in Gefahr sein.