Gabi und Sascha
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Say no to EPatents Softwarepatente sind für mich ein Greul. Kein Geheimnis. Aktuell lebt die Debatte wieder, die kalten Krieger der Brüsseler Lobbyisten versuchen es erneut. Neben der Problematik um Softwarepatente ergeben sich allerdings aus den weiteren Forderungen der Lobbyisten einige konkrete Probleme. So fordern die US-Vertreter bei einer Veranstaltung, dass Patente in der EU nicht mehr in 16 Sprachen übersetzt werden sollten. Am besten sei es, wenn ein Patent nur in einem Patentbüro irgendwo in der Welt angenommen werden solle und dann weltweit gültig sei. Beide Forderungen hätten, so sie umgesetzt werden, für den europäischen Wettbewerb katastrophale Auswirkungen. Patentanträge werden von Juristen geschrieben (Patentanwälten). Die Sprache ist nicht nur für Muttersprachler schwer zu verstehen. So werden in Patentschriften auch Dinge extra umständlich umschrieben, damit sie beispielsweise nicht automatisch übersetzt werden können oder sie Schriften nicht durch herkömmliche Suchtechnologien gefunden werden. Nicht Muttersprachler haben so sogut wie keine Chance.

Sollte ein Patent beispielsweise in der EU nur in Spanien angemeldet und auf Spanisch veröffentlich werden, habe ich keine Chance mehr dieses auch nur rudimentär zu verstehen. KMUs können sich soetwas auch nicht leisten und würden permanent damit rechnen müssen Patente zu verletzen.

Noch problematischer wird die Idee des einmal irgendwo anmelden und dann weltweit anerkennen. Einzig grosse Konzerne könne sich Anwälte leisten, die ein Patent in Urdu verfassen und dieses Patent dann anmelden. Das Patent-Recht würde vollendes asymetrisch werden und ein grosser Bereich der Kreativität von ein paar Multis gekapert werden.

Wir verwenden in der Softwareentwicklung bei unserem Arbeitgeber viel freie Software. Selbstverständlich geben wir auch Software zurück. Allerdings fällt auf, dass wir kaum Software aus dem universitären Umfeld verwenden. In der Produktion jGABL 2 - auch weil der Entwickler bei uns arbeitet und das Produkt aktiv pflegt; zu Forschungszwecken den sogenannten Stanford Parser. Und zu mehr als Forschung ist der Parser auch nicht zu gebrauchen. Nicht wegen der Qualität seiner Resultate. Der Grund ist die Qualität der Implementierung. Diese ist aus professioneller Sicht mangelhaft.

Der Mangel in der Qualität der Implementierungen fällt bei vielen Softwarepacketen aus dem universitären Umfeld auf. Diese mangelhafte Qualität ist in meinen Augen allerdings auch kein Problem, sondern durch das Prinzip bedingt. An Universtitäten werden die Softwareentwickler der Zukunft ausgebildet. Menschen die in der Ausbildung sind können noch nicht die Qualität bringen, die erfahrene Softwareentwickler abliefern können.

Ein Bekannter klagte mir sein Leid. Er arbeitet für ein Büro, welches Software aus Forschungsprojekten an Universitäten in der Industrie vermarktet. Speziell im Bereich der Windenergie. «Die haben klasse Ideen. Genau die Problemstellung gelöst. Aber das war es dann auch. Haskel kennt doch kaum jemand. Das bauen die Hersteller doch nicht ein. Das müssen die komplett neu machen.»

Das Problem: es gibt kaum Entwickler, die eine Haskel-Programm warten können. Gerade bei Produkten, die eine so lange Lebensdauer wie Windkraft-Anlagen haben, sind esoterische Lösungen ein Killer.

Ein weiteres Problem ist die Robustheit solcher Entwicklungen. Sie gehen von einer perfekten Umgebung aus. Fehler sind nicht so schlimm, dann wird das Programm halt noch einmal gestartet. In Windenergie-Anlagen ein Nogo - solche Programme sind die typischen 80% Lösungen. Bei Java Programmen immer wieder der Klassiker: System.exit(int) in einem catch-Block. Normaler Anfängerfehler. Kann passieren. Es bedeutet aber auch, dass sie Software nicht so einfach in einer Container-Ungebung verwendet werden kann. Zwar kann der Aufruf verboten werden, dann allerdings fangen die Probleme erst richtig an. Denn wer schon nicht an solche Probleme denkt, der denkt auch nicht an komplexe Sicherheitsprogrammierung. Was im übrigen die wenigsten Entwickler machen.

Ein weiteres Problem universitärer Software ist die Lebensdauer. Mir ist leider schon zweimal passiert, dass ein Produkt eingesetzt wurde (nicht im meinem jetzigen Arbeitgeber :-)), welches ambitioniert begonnen wurde und dann im digitalen Nirvana verschwand.

Es mag Beispiele geben, bei denen es anders gelaufen ist. Aber die von mir erlebten Beispiele schrecken ab. Schade eigentlich. Eine Lösung für die Misere habe ich auch nicht.

Gestern noch gelacht. Heute wird es ernst. Scheinbar plant Microsoft Vista fallen zu lassen und zu Mac OS X zu wechseln. Oder wie sonst soll verstanden werden, dass Microsoft ein Powerbook verlost?

[GRINSEBILD VON M$-DEUTSCHLAND HOMEPAGE MIT GRAUMILIERTEN HERREN UND EINEM ZU VERLOSENDEN NOTEBOOK - BEI GENAUEREM HINSEHEN ERKENNT MAN DAS NOTEBOOK ALS POWERBOOK]
Microsoft Deutschland - heute - Auf das Bild klicken zum vergrössern