Gabi und Sascha
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Die Erschaffung von Birgte war für mich auch ein Experiment hinsichtlich des aufkommenden Hypes der location based services. Meiner Ansicht machen solche Dienst nur Sinn, wenn sie viele, sehr viele Informationen bereit halten. Mehr Informationen als zum Beispiel Autofahrer benötigen. So habe ich in die Karten den Birgter Briefkasten aufgenommen, die Telefonsäule und Fusswege. Die Geschäfte und Gaststätten fehlen noch und einige Informationen mehr.

Die Erfassung dieser Informationen ist aufwändig aber nicht unmöglich. Das Problem: unserer Welt ändert sich permanent. Postfilialen öffnen und werden geschlossen; Geschäfte öffnen und schliessen usw. Diese Informationen müssen ständig aktuell gehalten werden, damit sie für location based services Sinn machen. Und schon bei Birgte gibt es bei den grossen Anbietern Probleme. Weder Stadtplandienst.de noch Google Maps haben das Neubaugebiet um den Diekpool in Birgte im Angebot. Und dieses existiert immerhin seit knapp 2 Jahren. Bei Geschäften können 2 Jahre sehr lang sein.

Wie kann mit dieser Änderung umgegangen werden? Wie kann eine solche Karte aktuell gehalten werden? Wie kann es möglich sein, dass mehr als ein Anbieter aktuelle Informationen hat? Ein ziemlich kniffeliges Problem. Alleine der Use-Case einer Geschäftsaufgabe in einem solchen Verzeichnis zu erfassen ist problematisch. Der Inhaber oder Betreiber des Geschäftes hat vermutlich andere Probleme, als das Geschäft aus dem Verzeichnis auszutragen. Vielleicht ein Nachfolger, der das Ladenlokal übernimmt? Oder der Vermieter des Ladenlokals? Alles nicht ganz einfach, immerhin kann sich dann auch ein Konkurent als Eigentümer ausgeben. Um dies auch noch abzusichern wird der Verwaltungsaufwand zu gross. Und ein zentrales Unternehmen? Siehe Beschreibung im ersten Absatz: zu langsam und ausserdem sind die Daten dann wieder eingesperrt.

Karsten schlug ein Abomodell vor, ich bezeichne es als einen Lease. Wenn der Eintragende den Eintrag nicht nach einem gewissen Zeitraum bestätigt, dann wird der Eintrag gelöscht – nach einer Information und Vorwarnzeit via E-Mail. Einige Fragen bei diesem Modell: Warum sollte zum Beispiel die Telekom ihre Telefonzellen bei OpenStreetMap eintragen? Nach welcher Zeit soll der Lease erneuert werden? Um einigermassen aktuell zu bleiben alle 2-3 Monate? Wann wird der Lease-Geber die Schnautze voll haben und die Mails ignorieren? Vielleicht ein gestaffeltes Zeitmodell, der Lease wird immer länger dauern, je öfter er verlängert wird?

Ich bin sicher: location based services funktionieren nur nach dem offenen Wiki-Prinzip. Eine Menge Interessierter da draussen muss ein Open-Source Verzeichnis – wie es OpenStreetMap ist – versuchen aktuell zu halten. Daraus können sich dann die anderen Anbieter bedienen. Firmen wie Google, Tomtom oder Garmin können sich an einem solchen Dienst beteiligen und profitieren gleichzeitig von den aktuellen Karten. Langfristig, so bin ich überzeugt, wird die Kartenanbieter das gleiche Schicksal ereilen wie es Brockhaus und Encyclopædia Britannica ereilt ist: ihr Geschäftsmodell, welches 150 Jahre prächtig funktioniert hat, wurde in nicht einmal einem Jahrzehnt von der Wikipedia hinweggefegt.