Kind 44 ist der Debütroman von Tom Rob Smith. Für ein Debüt sehr gut und trotz der brutalen Handlung (Kindermorde am laufenden Meter) zu empfehlen. Das Buch ist eine Mischung aus Krimi und Polit-Thriller. Es spielt im letzten Jahr der Stalin-Diktatur in der UdSSR. Dabei verarbeitet Smith grob die Geschichte des Massenmörders Andrej Tschikatilo, die er in dieses finsterste Kapitel der russischen Geschichte verlegt.
Die erste Hälfte des Buches beschreibt das Leben in der Sowjetunion jener Jahre. Die Überwachung, das Misstrauen aller gegen alle, die ganzen Widersprüche eines totalitären Systems. Der Archipel Gulag und Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch lassen grüssen. Smith hat sich für seine klaustrophobische Geschichte eine dankbare Zeit ausgesucht und beschreibt den Zynismus und die Brutalität jener Zeit sehr anschaulich.
Im zweiten Teil geht es dann um die eigentliche Jagd nach dem Mörder. Dabei wird der Jäger Leo – ein in Ungnade gefallener Mitarbeiter des KGB Vorgängers MGB – selbst immer mehr zum Gejagten. Der Spannungsbogen steigt ruhig aber stetig an, mündet dann leider in einer etwas platten Auflösung des Verbrechens.
Ein paar mal hatte ich den Eindruck, das Smith die Geschichte nicht logisch im Griff hat. Immer wieder hat es dafür dann wieder sehr tiefgründige Erklärungen gegeben. Diese Ebenen der Geschichte empfand ich als wohltuend. Sie heben sich ab von dem, was heute allgemein als Thriller verkauft wird: platte Handlungen mit zu vielen Zufällen, allwissenden Superagenturen und/oder blödsinnigen Supermaschinen wie in Dan Browns Illuminati.
ISBN-13: 978-3832180560

Allerdings: "Kindrmorde am laufenden Meter" - 4 oder 5 (relativ kurz) beschriebene Morde auf rund 550 Seiten ist für mich nicht gerade viel ...