Gabi und Sascha
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Die E-P2 ist eine fantastische Kamera. Sie bietet viele Möglichkeiten. Diese Möglichkeiten garantieren zwar kein gutes Motiv, unterstützen aber dabei ein gutes Bild besser zu machen. Ich habe in den letzten 4 Monaten eine steile Lernkurve durchgemacht. Diese betraf sowohl die technischen Möglichkeiten, als auch die Motive. Viele Dinge, die ich in der ersten Zeit gemacht habe, würde ich heute nicht mehr machen. Ein paar technische Beispiele:

Rohdatenformat

Ich nehme Bilder inzwischen nur im Rohdatenformat (Raw) auf. Der Unterschied ist die Anzahl der Farbabstufungen gegenüber dem JPEG Format. In JPEG sind pro Farbanteil (Rot, Grün und Blau) 8 Bit möglich. Dies entspricht 256 Helligkeitsabstufungen. Der Sensor der E-P2 liefert pro Farbe 12 Bit. Dies entspricht 4096 Helligkeitsabstufungen pro Farbe. Diese 12 Bit werden im Olympus Raw Format verlustfrei - der zweite grosse Vorteil des Rohdatenformates - gespeichert.

Nachteil der Aufnahmen im Rohdatenformat: sie müssen im Anschluss immer entwickelt werden. Bilder im Rohdatenformat sehen auf den ersten Blick auf dem Bildschirm immer zu dunkel und trübe aus. Dies liegt an der Diskrepanz zwischen den vorhandenen Farbabstufungen des Originalbildes und der Anzahl der Farbabstufungen, die der Bildschirm darstellen kann. Standardbildschirme sind heute immer auf 8 Bit pro Farbe ausgelegt. Die Betrachtungssoftware muss das Bild herunterrechnen. Sie kann aber keine Entscheidung treffen, wie sie das Bild anpassen soll, damit es auf dem Bildschirm gut aussieht.

Exemplarisch ein heruntergerechnetes Originalbild und das später fertig entwickelte Bild:

[DAHLIENBLÜTE ORIGINAL]
Heruntergerechnetes E-P2 ORF Bild
[DAHLIENBLÜTE BEARBEITET]
Bearbeitet und Ausschnitt angepasst

Bei der Entwicklung gibt es ein wichtiges Detail zu beachten: niemand kann mehr sagen, wie das Originalmotiv von den Farben wirklich wirkte. Ich kann es zumindest nicht. Bei den Aufnahmen der Dahlienblüten haben wir ca. 100 Bilder gemacht. Überlebt haben hinterher 12. Wie genau exakt die Blüte oben aussah ist dabei nicht mehr nachvollziehbar. Es kommt bei der Entwicklung daher auch immer auf den subjektiven Eindruck desjenigen an, der entwickelt. Abhilfe würde vielleicht dadurch möglich sein, sowohl das Rohdatenformat zu speichern, als auch eine JPEG Variante. Aber auch dabei verfälscht natürlich die Kamerasoftware das Bild.

Bei der Blüte oben wurde mit Lightroom der Tonwert automatisch korrigiert, die Farben allgemein kräftiger dargestellt und der mittlere Kontrast erhöht. Danach wurde die Sättigung des Gelbtons erhöht. Deswegen wirkt die Blüte als scheine die Sonne durch die hindurch.

ISO

Bei der ISO Zahl bin ich flexibel. Normalerweise nehme ich ISO 100. Aber wenn die Umgebung etwas dunkler ist, gehe ich auch hoch bis ISO 1000. Bei einer noch höheren ISO Zahl wird das Rauschen dann doch stark. Zumindest in Umgebungen, bei denen höhere ISO Werte nötig sind. In dunklen Umgebungen ist das Rauschen stärker als in lichtstarten Umgebungen. Und es kommt darauf an, wie das Bild später präsentiert werden soll. Wird das Bild stark verkleinert, dann ist das Rauschen nicht so schlimm.

Verwende ich Stativ und Fernauslöser um eine statische Szene auszunehmen, dann gehe ich immer auf ISO 100. Die Gefahr des verwackelns ist dann gering. ISO 100 ist der kleinste einstellbare ISO Wert der E-P2.

Weissabgleich

In den meisten Fällen überlasse ich es nicht der Kamera, den richtigen Weissabgleich zu wählen. Ich habe den Weissabgleich starr eingestellt und bearbeite/korrigiere hinterher bei der Entwicklung. Für die beste Strategie habe ich aber noch nicht genug Erfahrung gesammelt.

Belichtungsreihen für HDR-Bilder (high dynamic range)

Die E-P2 erlaubt es Belichtungsreihen aufzunehmen, die unterschiedliche EV (Lichtwert) haben. Einstellbar ist zum Beispiel von -1 bis +1. Diese drei Einzelbilder können dann mittels Spezialsoftware in HDR-Bilder verrechnet werden. Statt 12 Bit pro Farbe stehen dann 16 Bit oder mehr Bit pro Farbe zur Verfügung (Belichtungsreihen für HDRIs werden immer verlustfrei gespeichert. Der JPEG Algorithmus würde sonst wichtige Details heraus rechnen. Genau dafür wurde er entwickelt.) Mittels dieser Technik lassen sich sehr kontrastreiche Bilder erstellen. Aktuelle Ausgabegeräte können HDR-Bilder nicht ausgeben, Deswegen müssen sie wieder auf LDR (low dynamic range) Niveau herunter gerechnet werden. Die Kunst ist es dabei nicht zu übertreiben… oder bewusst zu übertreiben.

[TRIEBWERK UND FAHRGESTELL] Bei dem Bild links wurde bewusst auf Übertreibung verzichtet. Dabei stellt sich natürlich die Frage: und was ist an dem Bild besonderes? Es ist der Blick ins innere des Treibwerkes. Auf dem normal belichteten Bild waren die Details schlecht zu erkennen. Grund: der Messpunkt für die Helligkeit lag nicht auf dem Treibwerksinneren. Deswegen wurde das Innere nur sehr dunkel abgebildet. Helligkeit die aber nicht vorhanden ist, kann auch nicht durch die Postproduktion aus den Bilddaten herausgeholt werden. Durch die Belichtungsreihe wurde es möglich die Details innerhalb des Treibwerkes klar heraus zu stellen.

[BRANDENBURGER TOR] Das Bild auf der rechten Seite ist aus der Grunge Reihe. Es wurde durch mit Hilfe einer Belichtungsreihe erstellt. Bei den Einstellungen in Photomatic wurde aber stark übertrieben. Kontraste, Luminanz und Sättigung wurden bis zum Anschlag hochgedreht. Das Ergebniss wirkt völlig unnatürlich, was für mich den Reiz der Reihe ausmacht. Aber es darf nicht übertrieben werden. Deswegen ist in der Reihe jetzt erst einmal Schluss.

Anmerkung: die Presets könnnen hier herunter geladen werden.

Belichtungsreihen und Dreck auf dem Sensor

Bei den HDR Belichtungsreihen muss die Technik absolut sauber sein. Insbesondere darf bei hellen Motiven kein Staub auf dem Sensor sein. Sonst sieht man diesen Staub sehr schnell und unschön auf dem entwickelten Bild. Ich habe einige Zeit gebraucht um dies zu realisieren. Deswegen sind einige Bilder, deren Motive ich ganz spannend finde, auch nicht ganz so ansehnlich. In der Picasa Galerie habe ich die Bilder getaggt. Bei dem folgenden Bild ist er Dreck besonders klar im linken oberen Viertel zu sehen:

["ALTES MUSEUM" IN BERLIN VON DER LIEBKNECHTSTRAßE AUS AUFGENOMMEN]
Altes Museum mit Staubbelastung auf dem Sensor

Das hinterhältige dabei ist die Ultraschallreinigung des Sensors. Die Kamera ein paarmal an- und ausgestellt und der Staub ist entweder nicht mehr da oder wo anders. Das gleiche Motiv etwas später am gleich Tag mit gleicher Technik erneut aufgenommen ist ohne Staubbelastung:

["ALTES MUSEUM" IN BERLIN VON DER LIEBKNECHTSTRAßE AUS AUFGENOMMEN]
Altes Museum ohne Staubbelastung zur Goldenen Stunde

Ich hatte Glück, dass das unbelastete Bild zur Goldenen Stunde entstand und deswegen ein spannenderes Farbenspiel hat. Trotzdem reinige ich den Sensor jetzt zwischendurch mit Druckluft oder einem Nylonpinsel. Dreck auf dem Sensor ist weniger dramatisch als es sich lieest.

Fazit

Das spielen mit der E-P2 macht unheimlich viel Spass. Ich habe noch eine Menge aus zu probieren. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen bei Bildern, die ich hier reinstelle, die Entstehungsgeschichte mit zu erzählen.

Nachtrag: Habe mit der Geschichte zu den Spreedreiecks Bildern damit angefangen.


In allen Bildern sind EXIF Daten hinterlegt. Eventuell müssen hierfür die Originale aus den unterschiedlichen Picasa Alben herunter geladen werden. Die meisten EXIFs enthalten auch den Aufnahmeort.