Gabi und Sascha
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Seit knapp fünf Wochen bin ich nun glücklicher Besitzer eines Voigtländer Nokton 25mm f0,95. In diesen fünf Wochen hatte ich nur dieses Objektiv auf der Kamera. Es macht einfach Spass mit der Linse zu fotografieren. Am Anfang musste ich mich kurz an den fehlenden Zoom gewöhnen. Das ist aber schnell drin und du weisst schnell ziemlich genau, was du auf den Sensor bekommst. Dafür entschädigt das Nokton mit einem brillanten Bild. Ich gehe inzwischen sogar soweit, dass ich Zoomobjektive nur in Ausnahmefällen brauche.

[ZERBROCHENE SCHEIBE MIT GRAFFITIBLUMEN]

Fehlender Autofokus

Etwas schwieriger ist es natürlich sich an den fehlende Autofokus zu gewöhnen. Ich habe hier aber genügend Erfahrung mit dem alten Canon FD 50mm f1.4. Scharf stellen geht inzwischen sehr schnell. Dabei verwende ich allerdings sehr oft die Lupenfunktion der Kamera. Trotzdem wird noch jedes zweite Bild unscharf. Bei der Lupenfunktion der Olympus E-P2 wünsche ich mir eine flexiblere Vergrösserung. Die E-P2 kann nur 7x oder 10x vergrössern. 7x ist oftmals schon viel zu stark vergrössert. Hier würde ein 3x oder 5x vergrössern besser passen. Diesen Wunsch hatten wohl einige Olympus Kunden, denn mit der E-P3 wurde zumindest die fünffach Vergrösserung eingeführt. Die 10x Vergrösserung ist bei wenig Licht ungeeignet.

[REGENTROPEN CLOSEUP]

Bokeh

Das Nokton ist bei f0,95 natürlich ein Lichtriese. In den seltensten Fällen muss aber weit offen belichtet werden. Fotografieren bei grosser Öffnung hat natürlich ihren Preis in etwas samtigen, nicht knackscharfen, Bildern. Es ist eben kein Noctilux. Dafür auch knapp 8.000€ billiger :) Durch die grosse Blende lassen sich schöne Unschärfeverläufe (Bokeh) erzeugen. Dafür muss es aber nicht voll aufgeblendet sein. Auch auf f1.4 abblendet reicht in den meisten Fällen vollkommen aus.

[WÄSCHEKLAMMER CLOSEUP]

Wenig Licht

Die grosse Blende eignet sich natürlich auch hervorragend für Aufnahmen bei schlechter Beleuchtung und ohne Blitz. In der Silvesternacht 2011 habe ich auf der Brücke über die S-Bahn am Bahnhof Warschauer Straße in Berlin fotografiert. Die Bilder können hier angeschaut werden. Andere Bildserien sind bei Feiern in Kellergewölben entstanden. Bei Aufnahmen in Dunkelheit verhält sich das Nokton an der E-P2 wie ein Restlichtverstärker. Bei ISO 400 muss der Lichtwert (EV) herunter geregelt werden auf -0,7 bis -2,7 damit das Bild nicht überbelichtet wird. Das hat den Vorteil, dass sich die Verschlusszeit verkürzt. Hier muss ich allerdings noch experimentieren, um schnell den richtigen Wert zu finden.

[MENSCHEN ALS SILHOUETTE BEI EINEM FEUERWERK IN SCHWARZWEISS]

Street

Für Streetphotography eignet sich das Nokton nur bedingt. Zumindest dann wenn Menschen zentraler Bestandteil des Bildes sein sollen. Durch den fehlenden Autofocus und die kurze Brennweite komme ich nicht nahe genug an die Menschen heran, um sie unbeobachtet zu fotografieren. Das Nokton eignet sich mehr für grössere Szenenbilder. Bedingt durch die aktuelle Witterung und meine Stimmung zeigen die Bilder zur Zeit eher die grosse Einsamkeit in der Grossstadt. Natürlich ist auch dort der Mensch im Zentrum. Allerdings nicht so dominant, wie dies mit einer etwas längeren Brennweite möglich ist.

[REGENTROPEN CLOSEUP]

Makro und Mikro

Gegenüber anderen modernen Objektiven hat das Nokton noch einen Vorteil: es hat eine manuelle Blende. Das bedeutet: wenn der Blendenring auf einen Wert eingestellt wird, dann sind auch die Lamellen auf den eingestellten Wert. Keine Springblende, die erst bei auslösen in Position springt. Dies eignet sich hervorragend für Mikroaufnahmen, wenn das Objektiv in Retrostellung an die Kamera montiert wird. Ohne Zwischenringe erreicht das Nokton ein Vergrösserung auf 2:1 auf dem Micro Four Thirds Sensor der E-P2. Dies entspricht ungefähr 8,5mm horizontal . Die günstigste Blende ist bei dieser Vergrösserung ist f5,6. Mit einem Zwischenring habe ich zwar schon experimentiert, aber hier hapert es wieder einem an der Beleuchtung. Auch wenn diese inzwischen verbessert wurde.

[MIKROAUFNAHME EINER KIRSCHBLÜTE (7MM)]

Fazit

Das Nokton war keine günstige Anschaffung. Vielleicht etwas versnobt. Ein ähnliches Objektiv von Panasonic, nicht ganz so lichtstark aber mit Autofokus, hätte es auch sein können. Dann aber ohne manuelle Blende.

Ich möchte das Nokton nicht mehr missen. Es macht einfach Spass.

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