Gabi und Sascha
Kategorien : Alle | Berlin | Bücher | Fotografie | Java | Linkhalde | Weichware | Verfassung

Wo ich gerade bei Moore's law war.

Noch ist die Vorratsdatenspeicherung nicht durch. Das wird noch. Und damit die Sicherheitspolitiker eine neue Spielwiese bekommen gibt es RFC 6716, den Opus Audio Codec. Im Narrowband speech kommt der auf unglaublich wenige 6 kbit/s. Das sind lächerlich 768 Byte für eine Sekunde Sprachaufzeichnung. Angenommen du telefonierst am Tag 6 Stunden. Dann kannst du alle deine Telefonate im Jahr auf einem popeligen 32GB Speicherstick prügeln. Und weil die Dinger inzwischen so billig sind, das es sich kaum lohnt sie zu löschen, kaufst du dir nach einem Jahr einfach einen neuen Speicherstick, wenn der erste voll ist. Bei Amazon bekommst du einen Sandisk Stick mit 32GB aktuell für 13€.

Was sagt uns das? Daten löschen ist bald, vielleicht schon aktuell, teurer als einfach alles weg zu speichern. Und da werden Sicherheitspolitiker natürlich hellhörig. Ein Bosbach oder Uhl bekommt bei dem Gedanken bestimmt schon ganz feuchte TräumeFinger.

Kommt jetzt noch Moore's law ins Spiel, dann bekommst du den 32GB Stick in 3 Jahren für ca. 3€. Aber warum auf Speichersticks ablegen. Festplatten sind billiger. Da ist da Gigabyte für ≈4,5 Cent zu bekommen. Speicherst du es dreifach redundant, dann musst du zur Zeit ≈4,35€ für die Speicherung aller deiner Telefonate für ein Jahr ausgeben. Plus ca. 2€ für Strom und Infrastruktur - Anteilig berechnet, denn so eine Speicherinfrastruktur lässt sich natürlich ganz hervorragend bündeln. Und jetzt stell dir vor was in 10 Jahren möglich sein wird. Auch hinsichtlich der Auswertung.

Fazit

Es wird bald soweit sein, dass sie Monate später nicht nur wissen mit wem du kommunizierst - was schon sehr viel über dich verrät - sondern auch was du kommunizierst.


Nachtrag: So schnell kann es gehen. In den USA scheint das FBI Zugriff auf das gesprochene Wort der Kommunikation zu haben. Money quote: All of that stuff is being captured as we speak whether we know it or like it or not. Keine Ahnung wie viel davon wahr ist, vorstellbar ist es.

Moderne digitale Kameras unterliegen Moore's law. Das heisst, ca. alle 18 Monate verdoppelt sich ihre Leistungsfähigkeit. Aus diesem Grund sind gute Handykameras heute auch nichts besonderes mehr.

Für Systemkameras ergibt sich damit allerdings eine ganz neue Herausforderung. Denn mit der steigenden Effizienz der Sensoren in Hinsicht auf Pixeldichte, Dynamik und Rauscharmut unterliegen plötzlich auch die Optiken Moore's Law.

Eine einfache Schätzung: Verdoppelt sich alle 18 Monate einer der drei Faktoren Pixeldichte, Dynamik und Rauscharmut (ich nenne es mal den vollen Zyklus), dann hat sich die Gesamtqualität des Sensors in 4,5 Jahren verdoppelt. In 9 Jahren vervierfacht. Ein aktueller Micro Four Third (MFT) Sensor kommt dann in 9 Jahren auf 64 Megapixel.

Die Herausforderung: gute Scherben

Bei der Nikon D800 kommen die nicht High End Objektive schon jetzt an ihre Leistungsgrenze. Die Kamera liefert 36 Megapixel - in 9 Jahren 144 Megapixel. Die Käufer, die ich bisher kennengelernt habe, berichten, dass ohne leistungsstarke Optiken das Potenzial der Kamera nicht ausgenutzt werden kann.

Allerdings sind gerade gut Optiken teuer. Bei einer Kleinbildkamera wie der D800 teurer als bei einer kompakten MFT Kamera. Der Grund ist simpel: es wird mehr Glas benötigt, das in sehr guter Qualität bearbeitet werden muss. Der Preis liegt in dieser Qualität.

Natürlich ist die 64 Megapixel Vorhersage ein Blick in die Kristallkugel. Und er kann an einer einfachen Tatsache scheitern: dass die optische Physik den Regeln des digitalen Fortschritts einen Riegel vorschiebt. Mit Moore's Law kenne ich mich aus, ich leben seit über einem viertel Jahrhundert unmittelbar damit. In der Optik und deren verwandten Gebieten kenne ich mich nicht sonderlich gut aus, kann also nicht beurteilen, ob auch hier Moore's Law gelten kann.

Fazit

Investiert lieber in bessere Linsen. Solche, die 1-2 volle Zyklen qualitätsmässig überleben :-) Vergesst alte, analoge Linsen. Selbst wenn diese Schätzchen sehr gut gerechnet waren, bei 16-20 Megapixeln wird Schluss sein. Dafür sind sie nicht ausgelegt gewesen. Ich sehe es am Leica-R Macro Elmarit 60mm: bei den 12 Megapixeln der Olympus E-P2 ist die Linse an der Grenze. Vielleicht schafft sie noch die nächste Generation mit 16 Megapixeln. Danach ist dann aber definitiv Ende.

[GRÜNE BLÄTTER IN LILA LICHT.]

Persönlich würde ich es übrigens besser finden, wenn nicht all zu viel Energie in Pixeldichte und Rauscharmut gelegt wird, sondern mehr in den Dynamikumfang. Im Verhältnis 1:1:4.