Gabi und Sascha
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Straßenfotografie ist nicht massenkompatibel, weil es den Blick in die Restaurantküche zeigt.

Es gibt einen guten Grund, warum man Gäste selten dort hinführt.

Deswegen mag ich Straßenfotografie so gerne.

[BETTLER]

 

Street photography is not mass appeal because it shows a view into the restaurant kitchen. There is a good reason why you rarely leads guests there. That's why I like street photography so much.

[FRISCH KNOSPENDE BLÄTTER MIT STARKEM BOKEH IM VORDER- UND HINTERGRUND]

 

In Sachen Makrofotografie bezeichne ich mich als blutigen Anfänger. Und heute war mal wieder einer dieser Tage, an denen ich mich fürchterlich über mich selbst geärgert habe.

Ich bin um 4.30 Uhr aufgestanden. Ich wollte den Tagesanbruch fürs fotografieren nutzen. Dann sind die meisten Insekten noch etwas träge. Der Nachteil so früh morgens in der Stadt: Schatten durch Häuser. Auch oben auf dem Velodrom. Und wie es der Zufall so will, ist beim letzten Mal der Sender für die Blitzauslöser verloren gegangen. Merke: nicht verschraubare Teile abnehmen, bevor es ins Unterholz geht. Lesson learned.

Also habe ich improvisiert und zwei LED Lampen mitgenommen, Fahrradlampen. Die sind ausreichend hell, wenn ich nahe genug ran gehe. War die eine auch. Bei der anderen war leider die Batterie schon etwas schwach. Das habe ich allerdings erst vor Ort gemerkt - ich war auch noch etwas träge, als ich die Lampen zu Hause ausprobiert hatte.

Okay, dachte ich mir, zu Hause hast du ja noch ein paar Akkus. Tauscht du die eben aus, wenn du wieder daheim bist.

Dann war ich wieder daheim, griff in die Fototasche, die ich die ganze Zeit dabei hatte, holte zwei AA Akkus heraus — und stutzte. Aus der Fototasche? Die ich die ganze Zeit dabei hatte? In der immer zwei AA Ersatzakkus für den Blitz sind. Den Blitz, den ich auch immer dabei habe. Und der ebenfalls mit zwei AA Akkus, aufgeladen, bestückt ist?

In der Tat, es war früh. Morgen wird es besser :)

Trotzdem habe ich diese ca. 4mm grosse Fliege einigermassen gut auf den Sensor bekommen.

[FLIEGE AUF BLATT]
Fliege auf Blatt - 1:1 auf Micro Four Third Sensor

 

Zwei Dinge interessieren mich in der Fotografie mehr als andere. Die kleinen Dinge. Und Menschen. Menschen in ihrer natürlichen Umgebung auf der Straße. Alles begann Anfang des Jahres, als ich in einen Warnstreik der Lokomotivführer geraten bin. Auf dem Ostbahnhof musste ich mehrere Stunden warten. Ich begann mit der Kamera die Umgebung zu beobachten. Wie Menschen am Bahnsteig warteten; wie sie in den Zug einsteigen oder in der Halle warten. Ich hatte die Kamera in der Hand. Und mich dann getraut den Auslöser zu drücken.

[ZWEI MÄNNER  WARTEN - EIN MANN TRÄGT EINEN HUT UND WIRKT WIE AUS EINER ANDEREN ZEIT]
Warten auf den Zug

Als ich das Bild entwickelt habe, war ich fasziniert von der Atmosphäre. Das Bild hat eine magische Wirkung auf mich. Und der Virus der Streetphotography hatte mich erfasst. Seit dem gehe ich regelmässig raus, um Menschen auf der Straße zu fotografieren. Straße ist dabei für mich ein griffigeres Wort für öffentlicher Raum. Denn das ist es was ich mache, ich dokumentiere den öffentlichen Raum.

Etwas mehr als zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich das Bild gemacht habe. Seitdem habe ich einige 10.000 Straßenbilder gemacht und über 500 haben überlebt. Überlebt im Sinn von: dieses Bild würde ich mir in die eigene Wohnung hängen. Und ich beobachte an mir selbst, wie ich mich verändert habe. Ich habe zum Beispiel nicht mehr so viel Angst, wenn ich den Menschen das Objektiv quasi vor die Nase halte und den Auslöser drücke. Trotzdem ist immer noch ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ich denke auch, da braucht es noch einige Jahre, bis dieses mulmige Gefühl völlig verschwinden wird.

[PORTRÄT EINER ÄLTEREN FRAU IM MANTEL]
Porträt einer Frau

Candid Portraits – die Menschen wissen vorher nicht und nachher selten dass sie fotografiert wurden – sind dabei allerdings gar nicht mein Hauptinteresse. Das ist eine nette Fingerübung, mehr auch nicht. Viel spannender sind die Zusammenhänge abzubilden. Szenen, in die auch die Umgebung der abgebildeten Personen einfliesst. Dies beschreibt oft besser die Menschen als das zerfurchte Gesicht einer älteren Person.

[MANN DIRIGIERT IMAGINÄRES ORCHESTER VOR KEINEM PUBLIKUM. DER MANN WENDET DEM FOTOGRAFEN DEN RÜCLEN ZU UND STEHT AUF EINER KLEINEN KISTE. ER SCHAUT AUF EIN ROLLO, WELCHES EIN SCHAUFENSTER VERSCHLIESST.]
Audience

In den letzten beiden Jahren war mein gefühlter Ausschuss bei Straßenbildern bei 95%+. Dies ändert sich gerade. Ich hatte jetzt schon öfter Tage, bei denen über 10% der Bilder überlebten. Es gab Tage mit mehr als 25% :-) Ich denke, ich mache gerade die Phase vom Anfänger zum Amateur durch. Ich sehe Dinge viel besser voraus. Kann Situationen besser einschätzen, spiele besser mit dem Licht und beherrsche inzwischen die Olympus E-P2 blind.

Und… es macht immer noch unheimlich viel Spass.