Gabi und Sascha
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Zwei Dinge interessieren mich in der Fotografie mehr als andere. Die kleinen Dinge. Und Menschen. Menschen in ihrer natürlichen Umgebung auf der Straße. Alles begann Anfang des Jahres, als ich in einen Warnstreik der Lokomotivführer geraten bin. Auf dem Ostbahnhof musste ich mehrere Stunden warten. Ich begann mit der Kamera die Umgebung zu beobachten. Wie Menschen am Bahnsteig warteten; wie sie in den Zug einsteigen oder in der Halle warten. Ich hatte die Kamera in der Hand. Und mich dann getraut den Auslöser zu drücken.

[ZWEI MÄNNER  WARTEN - EIN MANN TRÄGT EINEN HUT UND WIRKT WIE AUS EINER ANDEREN ZEIT]
Warten auf den Zug

Als ich das Bild entwickelt habe, war ich fasziniert von der Atmosphäre. Das Bild hat eine magische Wirkung auf mich. Und der Virus der Streetphotography hatte mich erfasst. Seit dem gehe ich regelmässig raus, um Menschen auf der Straße zu fotografieren. Straße ist dabei für mich ein griffigeres Wort für öffentlicher Raum. Denn das ist es was ich mache, ich dokumentiere den öffentlichen Raum.

Etwas mehr als zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich das Bild gemacht habe. Seitdem habe ich einige 10.000 Straßenbilder gemacht und über 500 haben überlebt. Überlebt im Sinn von: dieses Bild würde ich mir in die eigene Wohnung hängen. Und ich beobachte an mir selbst, wie ich mich verändert habe. Ich habe zum Beispiel nicht mehr so viel Angst, wenn ich den Menschen das Objektiv quasi vor die Nase halte und den Auslöser drücke. Trotzdem ist immer noch ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ich denke auch, da braucht es noch einige Jahre, bis dieses mulmige Gefühl völlig verschwinden wird.

[PORTRÄT EINER ÄLTEREN FRAU IM MANTEL]
Porträt einer Frau

Candid Portraits – die Menschen wissen vorher nicht und nachher selten dass sie fotografiert wurden – sind dabei allerdings gar nicht mein Hauptinteresse. Das ist eine nette Fingerübung, mehr auch nicht. Viel spannender sind die Zusammenhänge abzubilden. Szenen, in die auch die Umgebung der abgebildeten Personen einfliesst. Dies beschreibt oft besser die Menschen als das zerfurchte Gesicht einer älteren Person.

[MANN DIRIGIERT IMAGINÄRES ORCHESTER VOR KEINEM PUBLIKUM. DER MANN WENDET DEM FOTOGRAFEN DEN RÜCLEN ZU UND STEHT AUF EINER KLEINEN KISTE. ER SCHAUT AUF EIN ROLLO, WELCHES EIN SCHAUFENSTER VERSCHLIESST.]
Audience

In den letzten beiden Jahren war mein gefühlter Ausschuss bei Straßenbildern bei 95%+. Dies ändert sich gerade. Ich hatte jetzt schon öfter Tage, bei denen über 10% der Bilder überlebten. Es gab Tage mit mehr als 25% :-) Ich denke, ich mache gerade die Phase vom Anfänger zum Amateur durch. Ich sehe Dinge viel besser voraus. Kann Situationen besser einschätzen, spiele besser mit dem Licht und beherrsche inzwischen die Olympus E-P2 blind.

Und… es macht immer noch unheimlich viel Spass.