Gabi und Sascha
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Seit ich wieder aktiver fotografiere bin ich auch in einigen Foto Communities aktiv. Picasa, Flickr oder 500px, um nur einige zu nennen.

Vor einiger Zeit hatte ich bei einem Flickr Bild kommentiert, dass ich das Bild gut finde. Der Fotograf hatte sich bedankt und gebeten zu schreiben, was an seinem Bild/Bildern nicht gut sei.

Oops… Da hatte er mich erwischt. Die Bitte war neu. Und ich wusste erst nicht, wie ich mit ihr umgehen soll. Lange habe ich mich um eine Antwort gedrückt. Dann habe ich beschlossen die Bitte zu ignorieren. Warum?

Nicht jedes Bild kommentieren

Ich kann nicht zu jedem Bild, bei dem ich etwas zu meckern habe, etwas schreiben. Dann würde ich aus dem Schreiben nicht mehr heraus kommen. Gefühlt sind 99% aller Bilder die ich täglich sehe Schrott. Was sollte ich bei diesen Bildern schreiben? Wie Otto Steinert: «Das ist Scheisse?» «Wieso denn?» «Überlegt dir was, bis morgen.» So etwas mache ich nicht lange, dann bin ich durch und die Zahl der Follower kann ich an einer Hand abzählen. Im Umkehrschluss würde ich natürlich weniger schlechte Bilder sehen.

Allgemein akzeptierter Geschmack

Leider gibt es in Online Communities kaum eine Möglichkeit heraus zu finden, ob ein Bild gut ist oder nicht. Es kann nur heraus gefunden werden, ob es einen bestimmten, allgemein akzeptierten Geschmack trifft.

Um dies zu ermitteln fällt als erstes die Anzahl der Views ein. Alle grösseren Anbieter messen dies und veröffentlichen die Zahlen. Der View erfordert die geringste Interaktion und Auseinandersetzung mit einem Bild. Nächste Stufe der Wertschätzung ist das liken oder plussen oder wie immer die Funktion gerade heisst. Sie ist schon etwas mehr als der View, erfordert mindestens einen weiteren Mausklick. Dann kommt der Kommentar. Er erfordert die komplexeste Interaktion (Wörter auf der Tastatur tippen, Lebenszeit spenden) und ist dementsprechend auch viel Wert. Einige Communities bieten dann noch das Teilen an. Das ist dann die Krönung, denn in den meisten Fällen teile ich, weil mir das Bild gefällt.

Mit Kennzahlen direkt in die Microstockfotografie

Allerdings ist bei all diesen Kennzahlen Vorsicht geboten. Nur auf sie zu schielen führt zu 99% langweiligen Bildern, direkt in die Microstockfotografie. Bei 500px werden bevorzugt solche Bilder hochgespült. Das ist seichter Augenschmaus, schnell gesehen, schnell vergessen, der Schlager unter den Bildern. Wirklich spannend sind diese Bilder nur für den Betreiber von 500px.

Luxus

Ich mache Fotos zu aller erst für mich. Ich kann mir den Luxus leisten nicht von der Fotografie leben zu müssen. Daher muss ich nicht auf Reichweite achten, muss nicht auf Views, Likes und Kommentare schielen. Ich kann die Bilder machen, die mir gefallen. Und wenn sie dann auch noch anderen gefallen, dann ist das schön für mich und mein Ego.

[WOCHENMARKT-STAND MIT GESCHLOSSENEM VERKAUFSWAGEN. DAVOR EIN STEHTISCH MIT EINEM SONNENSCHIRM, IN ROT GEHALTEN UND AUCH EINGEFAHREN (DER SONNENSCHIRM). AN DEM VERKAUFSWAGEN STEHT DIE TÜR AN DER RECHTEN SEITE OFFEN UND EIN MANN SCHAUT IN DEN WAGEN ALS SPRECHE ER MIT EINER PERSON ODER WARTE AUF SIE.]
Berlin, Wedding

Ein paar weitere Anmerkungen zu Kommentaren könnt ihr hier lesen.

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