Rebus ist zu Ende geschrieben. Trotzdem schreibt Ian Rankin natürlich weiter. Sein aktueller Kriminalroman spielt wieder in Edinburgh. Und er ist durchwachsen.
Mike MacKenzie ist gelangweilter Selfmademillionär. Er hat sein Computerunternehmen verkauft und widmet sich jetzt dem Sammlen von Kunst. Aber es gibt Kunstobjekte, die kann sich auch ein Millionär nicht leisten. Diese Kunstobjekte hängen im Museum oder lagern in den riesigen Archiven der Museen. Warum sie nicht daraus befreien? Mike MacKenzie will sie befreien und tut dies auch.
Der MacKenzie Coup beginnt langsam. Die Protagonisten und die Handlung wird gemächlich eingeführt. Für meinen Geschmack zu gemächlich. Dafür kommt die Durchführung des Überfalls auf das Archiv der schottischen Nationalgalerie plötzlich sehr schnell, ohne dass der Leser von allzu detaillierten Planungen behelligt wird. Dann aber nimmt der Roman an Fahrt auf. Wird schnell und es entspannt sich eine faustische Geschichte, bei der MacKenzie den Zauberlehrling gibt.
So stark das Mittelspiel des Romans ist, so flach und hollywood-like ist dann der Schluss. Eine zu spät erkannte Liebe rundet den durchschaubaren Kitsch am Ende ab. Da spielt die eigentliche Pointe schon keine wirkliche Rolle mehr.
Der MacKenzie Coup ist ein Kriminalroman, den ich nicht unbedingt weiter empfehlen kann. Dafür reicht das komplexe Spiel der Abhängigkeiten im Mittelteil nicht aus.
ISBN-13: 978-3442546510
Kind 44 ist der Debütroman von Tom Rob Smith. Für ein Debüt sehr gut und trotz der brutalen Handlung (Kindermorde am laufenden Meter) zu empfehlen. Das Buch ist eine Mischung aus Krimi und Polit-Thriller. Es spielt im letzten Jahr der Stalin-Diktatur in der UdSSR. Dabei verarbeitet Smith grob die Geschichte des Massenmörders Andrej Tschikatilo, die er in dieses finsterste Kapitel der russischen Geschichte verlegt.
Die erste Hälfte des Buches beschreibt das Leben in der Sowjetunion jener Jahre. Die Überwachung, das Misstrauen aller gegen alle, die ganzen Widersprüche eines totalitären Systems. Der Archipel Gulag und Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch lassen grüssen. Smith hat sich für seine klaustrophobische Geschichte eine dankbare Zeit ausgesucht und beschreibt den Zynismus und die Brutalität jener Zeit sehr anschaulich.
Im zweiten Teil geht es dann um die eigentliche Jagd nach dem Mörder. Dabei wird der Jäger Leo – ein in Ungnade gefallener Mitarbeiter des KGB Vorgängers MGB – selbst immer mehr zum Gejagten. Der Spannungsbogen steigt ruhig aber stetig an, mündet dann leider in einer etwas platten Auflösung des Verbrechens.
Ein paar mal hatte ich den Eindruck, das Smith die Geschichte nicht logisch im Griff hat. Immer wieder hat es dafür dann wieder sehr tiefgründige Erklärungen gegeben. Diese Ebenen der Geschichte empfand ich als wohltuend. Sie heben sich ab von dem, was heute allgemein als Thriller verkauft wird: platte Handlungen mit zu vielen Zufällen, allwissenden Superagenturen und/oder blödsinnigen Supermaschinen wie in Dan Browns Illuminati.
ISBN-13: 978-3832180560
Nö, das war nix. Ganz und gar nix. Ein unspektakuläres Buch ist «Quellcode». Der Titel hat nichts mit dem Inhalt zu tun; die spannende Spionagegeschichte, die das Cover suggeriert, findet auch nicht statt.
Ein Container wird durch die Weltmeere geschippert und eine handvoll Leute ist an seinem Inhalt interessiert. Dabei weiss kaum jemand was genau in der Blechbüchse ist (100 Millionen Dollar, soviel sei verraten). Die Protagonisten sind – wie bei Gibson üblich – kurz, knapp und ausreichend beschrieben. Nur, was eine Ex-Rocksängerin, Locative Media Künstler und Medikamentenjunkies, mit der Geschichte zu tun haben: nur der Autor scheint es zu wissen. Am Ende wird die Geschichte noch langweiliger und durchschaubarer als dieser kurze Verriss.
ISBN-13: 978-3608937695
Andrew ist eine multiple Persönlichkeit im Körper von Andy Gage. Andy ist eigentlich Andrea, wie der Leser nach ein paar hundert Seiten erfährt. Andrew führt ein ruhiges Leben in einer Kleinstadt bei Seattle - zusammen mit den anderen Seelen in seinem Kopf. Gemeinsam haben sie ein Haus im Körper gebaut und kommen einigermassen miteinander aus. Ihr Leben gerät wieder einmal aus den Fugen, als Andrews Chefin Penny einstellt. Penny ist ebenfalls eine Multiple, nur weiss sie nichts davon.
Es ist mein zweieinhalbtes Buch von Matt Ruff. Zuerst habe ich »G.A.S.« gelesen. Begeistert von Ruffs Phantasie habe ich sein Erstlingswerk »Fool on the Hill« begonnen, aber keinen Zugang gefunden und beiseite gelegt.
»Ich und die anderen« ist ein anderes Buch, kein Fantasie-Buch. Es beginnt komisch und wird immer brutaler. Es ist eine Reise in die Vergangenheit von physisch und psychisch gequälten und missbrauchten Kindern. Es ist so brutal, dass ich in einer Nacht schlecht geschlafen und das Buch im Traum verarbeitet habe. Trotzdem fesselt das Buch bis zur letzten Seite.
ISBN-13: 978-3423208901
Habe seit ein paar Wochen wieder das starke Bedürfnis nach Schnulzenlektüre. Was leichtes zu lesen, einfach so fürs Herz. Zum Einstieg erstmal Nora Roberts gelesen. «Die Sehnsucht der Pianistin» ist da sehr zu empfehlen, da es schon sehr schnulzig zugeht.
Aber ich brauchte mehr, viel mehr. Also Amazon angeklickt und rumgeschmökert. Da stieß ich auf eine Empfehlung: Schnulzig mit frechen Dialogen versehen und fünf Sternen, da mußte ich zugreifen. Nur leider habe ich zu spät gesehen, dass es das Buch auch auf Deutsch gibt. Aber egal, diese tiefgründige Geschichte kann ich auch mit meinem verstaubten Schulenglisch gerade noch verstehen ![]()
Hier eine Kostprobe: His hot breath touched her mouth. She was reminded of the taste of him when he kissed her on his bedroom flor. Wild, exotic, heady - male. It had been so satisfying. It was satisfying now.
Aus dem Buch: «The Pirate Next Door» von Jennifer Ashley, S. 20. In deutscher Sprache lautet der Titel: «Mein leidenschaftlicher Pirat»
Da das Buch nicht sehr umfangreich ist, würde ich sagen, es reicht für ein schönes Wochenende auf dem Sofa mit einer Kanne Tee. Viel Spaß…
Die Fremdenlegion. Basis von Abenteuer und Mythen. Mit diesem Bild räumt Frank Schätzing in seinem Buch «Die dunkle Seite» auf. Die Fremdenlegion ist das was jede Armee ist, eine Tötungsmaschinerie. Mehr positives ist über den Thriller nicht zu schreiben.
Die Geschichte um die Super-Detektivin Vera Gemini ist langweilig, langatmig und öde geschrieben. Auf den ganzen 520 Seiten kommt nicht einmal soetws wie Spannung auf. Das Gegenteil ist der Fall. Lange Dialoge werden unterbrochen durch noch längere Monologe des Autoren. Der erhobene Zeigefinger von Schätzing nervte mich schon in «Der Schwarm». Die eigentliche Spannung so vorhersehbar wie das Ende eines Rosamunde Pilcher Romans.
Ich habe durchgehalten und das Buch zu Ende gelesen. Normalerweise mache ich das nicht bei Büchern die mich langweilen. Ich habe es zu Ende gelesen, weil ich hoffte, dass da doch noch was besonderes kommt. Aber es kam nichts.
Wenigstens Frau konnte der Geschichte etwas Spannung abgewinnen. Ansonsten ist der Kauf des Werkes rausgeschmissenes Geld.
Der zweite Krimi nach «Die Chemie des Todes». David Hunter soll einen Leichenfund auf der kleinen Insel Runa untersuchen. Ein Mensch ist verbrannt worden - langsam, bei niedrieger Temperatur. Er ist verbrannt wie eine Kerze, am Ende blieben Hand und Füsse unversehrt. David Hunter soll feststellen, ob es sich überhaupt um Mord handelt. Die Geschichte wird dann sehr schnell sehr spannend, an einigen Stellen aber auch durchschaubar: wer den Vorgängerband gelesen hat, der weiss, dass es Tote gibt und zwar reichlich, wenn Beckett die Ich-Form der Erzählung verlässt. Auch ist die Geschichte diesmal noch mehr auf eine Verfilmung zugeschnitten.
Am Ende des Buches hat Beckett fast alle Personen in den Kreis der Verdächtigen aufgenommen und es hat eine Menge verbrannter Leichen gegeben. Wer dann der Mörder ist sei hier nicht verraten - aber auch hier greift Beckett auf ein Element des Vorgängers zurück. Ich hoffe, dass er dies beim nächsten David Hunter Krimi nicht macht, denn sonst wirkt es zu durchschaubar. Und einen nächsten Band gibt es, denn das Buch endet mit einem Cliffhanger.
Empfehlenswert? Ja. Die Geschichte ist unterhaltsam, auch wenn Beckett mir zuviel Muster aus «Die Chemie des Todes» übernommen hat. Dadurch wird das Bild etwas getrübt und die Story durchschaubarer.
ISBN-13: 978-3805208123
Nix. Das war gar nix, Mr. Pratchett. Ein Buch, flach wie die Scheibenwelt, langweilig und durchschaubar.
Klonk! ist das Geräusch einer Trollkeule, die auf einen Zwergenkopf knallt. In Ankh-Morporks Zwergengemeinde kommt es zu nicht natürlichen Todesfällen. Todesursache: eingeschlagener Schädel. Die Stadtwache ermittelt. Am Ende - welch Überraschung - es war kein Troll.
ISBN-13: 978-3442546169
Nach «Kleine freie Männer» und «Ein Hut voller Sterne» das dritte Buch über Tiffany, die Hexe in Ausbildung. In dem Buch geht es darum erwachsen zu werden und die Schwierigkeiten, die ein Teenager damit hat. Pratchett schreibt gewohnt dicht. Die Geschichte ist amüsant, mit netten Untertönen und vielen Seitenhieben auf die Oberflächlichkeit und Dummheit der Menschen. Hexerei ist zum Grossteil ausnutzen dieser Dummheit.
Die Handlung ist einfach gestrickt und ohne nennenswerte Überraschungen. Tiffany tanzt verbotenerweise mit dem Winterschmied, der sie für die Sommerfrau hält. Er umgarnt sie und will sie für sich gewinnen. Dies muss natürlich verhindert werden, damit auf der Scheibenwelt nicht der ewige Winter herscht. Nach den ersten beiden Bänden der Reihe ein leichter Abfall der Qualiät. Das Thema Tiffany scheint ausgereizt.
Egal wie gut oder schlecht ein Scheibenweltbuch ist. Auch das nächste werde ich wieder lesen.
ISBN-13: 978-3442445424
Stell dir vor, du wirst von Aliens entführt und anal sondiert. Keiner würde dir glauben. Genau dies passiert John O. Banion. Der angesehene und gefürchtete Talkshowmaster wird von (absolut menschlichen) Mitarbeitern der topgeheimen US-Regierungsorganistation Majestics Twelve versehentlich entführt. Banion begibt sich auf einen Kreuzzug gegen die Regierung, weil er glaubt, dass diese Kontakt zu Ausserirdischen hat. Diesen Kontakt verschweigt die Regierung der Bevölkerung angeblich seit 1947.
Christopher Buckley hat ein amüsantes kleines Buch geschrieben. Es nimmt die Affinität der Amerikaner für Verschwörungstheorien genüsslich aufs Korn. Es spielt mit bitterbösen Blicken auf das Washingtoner Establishment und deren Machtspielchen.
Das Buch hat seine Stärken, aber auch einige Längen. Zwischendurch plätschert es belanglos dahin. Leider schafft Buckley es nicht, die Spannungskurve zu Ende noch einmal stark anzuziehen. Das Buch endet mit einem Happy End - aber irgendwie unbefriedigend. Ob ich es noch einmal lesen würde, weiss ich nicht.
ISBN-13: 978-3442445424
