Gabi und Sascha
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Immer diese Kriegsrhetorik. In Paris soll der Terror ein Kriegsakt gewesen sein. Nein, es war Mord. Nichts anderes als Massenmord. Für irgend eine Sache. Unwichtig für oder gegen was. Es war Massenmord.

Oder war es vielleicht doch ein kriegerischer Akt? Ein Gegenangriff, so ekelhaft das auch sein mag? Ein Gegenangriff des IS, der sich zu den Anschlägen bekannt hat? Weil französische Flugzeuge den IS bombardieren?

Auch dann ist es egal ob es ein kriegerischer Akt war oder nicht. Auch Krieg ist Mord. Staatlich sanktionierter Mord. Keinen Deut besser.

Menschen müssen direkt miteinander reden. Deswegen habe ich keine fundamentalen Probleme mit dem G7 Treffen in Bayern. Dennoch gibt es ein paar Dinge die mich ankotzen.

Platt ausgedrückt ist der G7 Gipfel in Elmau ein 2 Tagetrip mit Vollpension inklusiv Bergblick für 360 Millionen Euro.

Ein grosser Teil des Geldes fliesst auch in das Sicherheitsaufgebot. Und da fangen meine Bauchkrämpfe an. Wenn derartig viel Sicherheit nötig ist, dann scheinen die anwesenden Politiker und ihre Vorgänger grundsätzliche Dinge falsch gemacht zu haben. Würde die Politik einigermassen mit dem Willen der Beherschten übereinstimmen, so würde der Sicherheitsaufwand erheblich geringer sein.

Insofern ist zeigt der Gipfel sehr schön und plakativ, wie weit sich die demokratischen Führer und das System von der Demokratie entfernt haben.

Das es am Rande zu Ausschreitungen kommen wird - nach allem was wir aus der Vergangenheit erfahren haben auch provoziert von der Exekutive - ist so sicher wie die mageren Ergebnisse, die solche Gipfeltreffen erreichen.

Wirklich. Ich finde es toll, dass China eine Hintertür für jedes System möchte, welches Daten verschlüsselt. Um die Daten bei Bedarf einfach zu entschlüsseln - also immer. Und ich kann die Aufregung der USA deswegen nicht verstehen, die das Gleiche selbst fordern.

Sollte China das Recht um- und dann durchsetzen, dann ist Unternehmenscyrpto am Ende. Die grossen US-Unternehmen können es sich nicht leisten den chinesischen Markt zu verlassen. Und sie werden auch keine chinesische Extrawurst produzieren. Zumal damit zu rechnen ist, dass dann andere Länder (Russland, Brasilien usw.) ganz schnell auch ein solches Recht einführen. Und auch der EU-Rat diskutiert die Schlüsselhinterlegung.

Unternehmenscrypto ist dann am Ende, weil wir dann alle offiziell wissen, dass sie nicht sicher ist. Jetzt müssen wir annehmen das sie nicht sicher ist. Weil grundsätzlich keine Cryptografie, die nicht Open-Source ist, als sicher gelten kann.

Open Source Software kann ich selbst übersetzen in ein lauffähiges System. Sie kann durch öffentliche Reviews gehen. Dort eine Hintertür ein zu bauen wird schnell auffallen. Open Source Cryptosoftware ist grundsätzlich vertrauenswürdiger.

Was sollen sie dagegen noch tun? Auch dort Hintertüren verlangen? Oder verbieten? In China… sicher­lich. Im vermeintlich freien Westen würde dies den Kern der freien Meinungsäußerung ad absurdum führen. Im vermeintlichen Kampf gegen den Terrorismus oder organisierte Kriminalität oder was auch immer, würden die Falken dies in Kauf nehmen. Es geht um Macht und Machterhalt. Und da kann auf Befindlichkeiten wie die freie Meinungsäußerung keine Rücksicht genommen werden.

Beim TTIP Abkommen wird bekanntlich auch ein sogenanntes Investitionsschutzabkommen verhandelt. Einfach ausgedrückt können dabei Konzerne Staaten vor privaten Gerichten auf Schadenersatz verklagen. Z.B. wenn sie meinen Gesetze werden zu ihren Ungunsten geändert und dem Konzern entgehen zukünftige Gewinne. Darauf können wir ein ganz neues Geschäftsmodell aufbauen:

Konzern A verkauft das Produkt X. Am Anfang verdient er gut damit, weil er seinem Konkurrenten B voraus ist. Die Konkurrent B holen auf. Konzern A verdient weniger. Weil Konzern A seine Kennzahlen im Griff hat merkt er dies lange vor der Öffentlichkeit und den Investoren. Damit die Gewinne weiter sprudeln, zumindest so lange wie der gegenwärtige Vorstand im Amt ist, investiert Konzern A in Lobbyisten und PR, damit ein Gesetz zu seinen Ungunsten beschlossen wird. Dann verklagt Konzern A den das Gesetz erlassenden Staat auf den entgangenen Gewinn. Gewinnt er, sprudeln die Einnahmen kurzfristig wieder. Und egal ob er verliert oder gewinnt: die Investition in Lobbyisten und PR kann abgeschrieben werden.

Deswegen: Stopp TTIP!

10€ sollen sogenannte radikale Islamisten für einen Ausweis bezahlen müssen. Für 6 Monate. Weil ihr eigentlicher Ausweis eingezogen werden kann. Und weil in Deutschland Ausweispflicht herscht muss also Ersatz her. Zweimal kann der Ausweis für jeweils 6 Monate und 6€ verlängert werden. Danach muss ein neuer Ausweis her.

Zum Vergleich: ein Personalausweis mit biometrischen Bild und Chip kostet für 10 Jahre 28,80€.

In Deutschland musst du also für deine eigene Diskriminierung bezahlen. Damit führt Innenminister de Maizière eine bewährte deutsche Tradition weiter: auch der gelbe Judenstern musste von seinen Trägern bezahlt werden. Und auf einer Empfangsbestätigung bescheinigen: "Ich verpflichte mich, das Kennzeichen sorgfältig und pfleglich zu behandeln..."

Und machen wir uns nichts vor. Ist eine Infrastruktur dieser Art einmal eingeführt, wird sie auch für andere Personen und politische Gruppen genutzt. Gegen Hooligans vor grossen Sportereignissen oder einfach auf Dauer. Linke Antifas kommen dran – Weltwirtschaftsgipfel müssen halt geschützt werden. Und irgendwann dann auch andere Gruppen: Tierschützer, Gentechnikgegner, Occupy Demonstranten usw. Es findet sich immer eine Begründung und sei sie noch so absurd. Zur Not wird den Gruppen einfach ein radikal angeheftet.

[EIN MANN SITZT VOR EINE GRUPPE AUFGERÜSTETER POLIZISTEN AUF DEM BODEN]
 

Freiheit!? Von welcher verdammten Freiheit sprechen die?

Ja, es ist 9. November. Mauerfall vor 25 Jahren. Schön. Und? Etwas weniger Unfreiheit haben wir. Aber frei? Frei sind wir nicht. Niemand von uns ist frei. Ich kann dieses ganze Freiheitsgesülze nicht mehr hören. Unser Staat will uns bis in die letzte Bewegung überwachen und die Masse wehrt sich nicht. Vorratsdatenspeicherung? Soll wieder eingeführt werden durch die Hintertür IT-Sicherheitsgesetz. Maut? Die als fälschungssicher eingeführten, maschinenlesbaren Nummernschilder sollen fotografiert und 13 Monate lang anlasslos aufbewahrt werden. Es geht also um Bewegungsprofile, Überwachung als herausragendes Architekturmerkmal.

Superfrei, so permanent verfolgt zu werden. Von den Guten? Am Arsch. Genau so lange wird das nicht benutzt, solange du spurst. Lass es zu Aufständen oder revolutionären Tendenzen kommen, schon werden all die schönen Daten gegen dich eingesetzt. Und das was du nicht freiwillig dem Staat lieferst, das holen sie sich von ihren Kumpels von der NSA. Reisefreiheit? Sei mal Islamist oder Hooligan oder was auch immer gerade opportun ist: deine Reisefreiheit wird schneller eingeschränkt als du No Fly List sagen kannst.

Und was macht dieses Volk, das Erfahrung mit totalitären Systemen hat? Es wählt eine grosse Koalition, die alles und jedes in diesem Land erstickt. Es nimmt seine erkämpfte Freiheit und wählt sie ab. Für was? Für Sicherheit. Freiheit wird für Sicherheit aufgegeben. Wie armselig.

Freiheit? Wir leben in einer Freiheitsillusion. Also hört auf mich mit Freiheitsgesülze voll zu texten.

Im Fall Edathy be­gründet der leitende Staats­anwalt die Er­mitt­lung und Haus­durch­suchung da­mit, dass es Er­fah­rungen gibt, das je­mand der le­gale Bil­der von Kin­dern gekauft hat wohl auch Kin­der­porno­graphie kon­su­miert. Der Staats­an­walt bemüht also die Sta­tistik, denn nichts an­deres sind Er­fah­rungen, um einen An­fangs­ver­dacht zu be­grün­den, den es bei legalen Hand­lungen nicht geben kann.

Die Logik: legale, aber moralisch frag­wür­dige Hand­lung, führt auto­matisch zu ei­nem An­fangs­ver­dacht. Dies hebt das ganze Rechts­system aus den An­geln. So könnte bei­spiels­weise je­mand der ins Wett­büro geht und auf Fuss­ball­spiele wettet der Wett­mafia an­ge­hö­ren – er­mit­teln. Oder je­mand schaut sich auf Red­tube einen real teens Film an – po­tent­iel­ler Kin­der­porno­kon­sument. Er­mitteln. Und wenn dann erst ein­mal ermittelt wird muss natür­lich auch etwas ge­fun­den wer­den. Und wenn nichts ge­fun­den wird, dann heisst es: der war zu schlau und hat die Be­weise recht­zei­tig ver­nich­tet.

Bei Wetten mag das noch unpro­ble­ma­tisch sein. Bei Kin­der­porno­gra­phie ist es das nicht mehr. Wer ein­mal das Stig­mata an sich hat, der wird es nicht mehr los. Edathy ist ge­sell­schaft­lich er­ledigt. Ob er nun irgend­wann schul­dig ge­sprochen wird oder das Ver­fahren ein­ge­stellt wird. Er kommt aus der Num­mer nicht mehr heraus. Weil ein Staats­anwalt an Sta­tisti­ken glaubt und ihnen und seinen ei­ge­nen Mo­ral­vor­stel­lungen grös­sere Re­le­vanz bei­misst als den Fak­ten.

Was für eine Farce. Die Kernschmelze des Rechtsstaats soll auf einmal das Abhörprogramm der NSA sein. Mit diesen Worten zitiert der Spiegel Jan Philipp Albrecht, Grünen-Abgeordneter im Europäischen Parlament. Und es ist inakzeptabel, wenn europäische Diplomaten und Politiker in ihrem Alltag ausspioniert werden, sagt Manfred Weber, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der EVP. Diese Krokodilstränen; ausgerechnet von einem Politiker, dessen Partei gar nicht genug Überwachung aller Bürger fordern kann.

Dabei macht die NSA nur das wozu so ein Geheimdienst eben da ist: Daten sammeln und auswerten. Jetzt eben in einem Ausmass, neben dem Erich Mielkes Stasi wie eine popelige Hinterhofklitsche wirkt. Und bei Geheimdiensten ist es wie bei der Artillerie: es gibt keine Freunde oder Feinde, nur Ziele.

Aus diesem Grund habe ich kein Problem damit, dass die NSA mit PRISM und die Briten mit Tempora alles abschnorcheln was sie bekommen können. Aber ich habe ein Problem damit, dass dieses Land keinerlei Anstalten macht mich vor diesen feindlichen Übergriffen zu schützen. Das vielmehr ein Innenminister Friedrich sich entblödet und öffentlich darüber beschwert, dass man so nicht mit seinen Freunden, den USA, umgeht.

Ich erwarte von einem Verfassungsminister, dass er gegenüber fremden Staaten und Regierungen meine Verfassungsrechte schützt und nicht verkauft. Ich erwarte von meiner Regierung und meinem Parlament, dass sie alles erdenkliche unternehmen, dass ich geschützt werde vor solchen unrechtmässigen Übergriffen. Für genau so etwas ist ein Staat da. Ich vermute aber, von diesem Gedanken hat sich die Sicherheitspolitik längst verabschiedet. Das Unrecht wird hingenommen und akzeptiert, dient es doch einer höheren Sache, dem Kampf gegen den Terror.

Wo ich gerade bei Moore's law war.

Noch ist die Vorratsdatenspeicherung nicht durch. Das wird noch. Und damit die Sicherheitspolitiker eine neue Spielwiese bekommen gibt es RFC 6716, den Opus Audio Codec. Im Narrowband speech kommt der auf unglaublich wenige 6 kbit/s. Das sind lächerlich 768 Byte für eine Sekunde Sprachaufzeichnung. Angenommen du telefonierst am Tag 6 Stunden. Dann kannst du alle deine Telefonate im Jahr auf einem popeligen 32GB Speicherstick prügeln. Und weil die Dinger inzwischen so billig sind, das es sich kaum lohnt sie zu löschen, kaufst du dir nach einem Jahr einfach einen neuen Speicherstick, wenn der erste voll ist. Bei Amazon bekommst du einen Sandisk Stick mit 32GB aktuell für 13€.

Was sagt uns das? Daten löschen ist bald, vielleicht schon aktuell, teurer als einfach alles weg zu speichern. Und da werden Sicherheitspolitiker natürlich hellhörig. Ein Bosbach oder Uhl bekommt bei dem Gedanken bestimmt schon ganz feuchte TräumeFinger.

Kommt jetzt noch Moore's law ins Spiel, dann bekommst du den 32GB Stick in 3 Jahren für ca. 3€. Aber warum auf Speichersticks ablegen. Festplatten sind billiger. Da ist da Gigabyte für ≈4,5 Cent zu bekommen. Speicherst du es dreifach redundant, dann musst du zur Zeit ≈4,35€ für die Speicherung aller deiner Telefonate für ein Jahr ausgeben. Plus ca. 2€ für Strom und Infrastruktur - Anteilig berechnet, denn so eine Speicherinfrastruktur lässt sich natürlich ganz hervorragend bündeln. Und jetzt stell dir vor was in 10 Jahren möglich sein wird. Auch hinsichtlich der Auswertung.

Fazit

Es wird bald soweit sein, dass sie Monate später nicht nur wissen mit wem du kommunizierst - was schon sehr viel über dich verrät - sondern auch was du kommunizierst.


Nachtrag: So schnell kann es gehen. In den USA scheint das FBI Zugriff auf das gesprochene Wort der Kommunikation zu haben. Money quote: All of that stuff is being captured as we speak whether we know it or like it or not. Keine Ahnung wie viel davon wahr ist, vorstellbar ist es.

Angesichts der zunehmenden Verdrohnung der westlichen Welt werden wir noch vor 2020 die Diskussion und Umsetzung von Kfz-Kennzeichen auf Fahrzeugdächern haben. Diese können dann von Drohnen wunderbar erkannt und getrackt werden.

Ich mag Hans-Peter Uhl nicht. Herr Uhl wird auf tageschau.de mit den Worten zum Staatstrojaner zitiert: Vielleicht werden wir eines Tages sogar kleinlaut zugeben müssen, dass wir es gar nicht können.. Entweder spricht Uhl hier im Pluralis Majestatis oder er spricht als Vertreter des BKAs. Beides ist schlimm. Beim Maiestatis und bei der anderen Auslegung der Formulierung zeigt sich, dass er seinem Job als Volksvertreter nicht gerecht werden kann. Wie kann er als ein Vertreter der Legislative, der das Handeln der Exekutive überwachen soll, sich so mit einer Behörde der Exekutive so identifizieren? Doch nur, wenn er seinen Job als Volksvertreter nicht ernst nimmt. Für mich sind Menschen wie Uhl sind eine Gefahr für die Demokratie.

… der letzten Tage:

  1. Bundeswehreinsatz im Inneren - Soldaten fürs aufsässige Volk
    Reservisten der Bundeswehr sollen die Polizei zur Aufstandsbekämpfung unterstützen dürfen. Eine erste Einheit ist nun in Bremen im Dienst.

  2. Modernisierungskonzept der Bundeswehr - Veraltete Waffen für den Krieg von morgen?
    Militärkonflikte sind heute kaum mehr zwischen-, sondern innerstaatlich.

Wenn die Vorhautentfernung als religiöser Ritus toleriert werden soll, also keine Missachtung der körperlichen Unversehrtheit ist, dann gründe ich jetzt eine Religion, die ein tätowiertes Arschgeweih ver­langt.

Es ist nicht ohne Ironie, dass die körperliche Unversehrtheit aus den Lehren der NS-Ver­gangen­heit entstand. Und jetzt wieder Menschen mit der Religion trifft, die damals die meisten Toten zu beklagen hatte.

Soll das Kind sich mit 18 selbst entscheiden. Unnütze Operationen sind scheisse und religiöse Riten an Kindern sind eine Vergewaltigung ihrer Persönlichkeit, Religionsfreiheit hin, NS-Ver­gangen­heit her.

Zwei Dinge, über die ich mich in den letzten Tagen geärgert habe:

Titanic

Ob das aktuelle Titanic Cover nun die Rechte einer Persönlichkeit verletzt oder nicht ist mir scheissegal. Deren Ding. Das Cover finde ich etwas pubertär, die haben schon besseres gemacht. Der Betroffene, Benedikt ⅩⅤⅠ, ist für mich Chef einer Diktatur.

Aber es zeigt das Denken eines Menschen wie Thomas Goppel, Mitglied der CSU und im Bayrischen Landtag sitzend. Dieser Thomas Goppel möchte dem Titanic-Redakteur am liebsten die Lizenz zum Schreiben entziehen.

Wie meinen? Lizenz entziehen. In einer Gesellschaft in der eigentlich jeder meinen darf was er will?

Solche Menschen machen mir Angst. Denn ich bin überzeugt, sie meinen das ernst. Der will fürs Witze erzählen Genehmigungen verteilen. Weia.

Vermeintliche Extremisten sollen kein Geld mehr bekommen

Vereinen, die vom Verfassungsschutz als extremistische eingeschätzt werden, soll in Zukunft die Gemeinnützigkeit aberkannt werden. Und damit lebensnotwendige Steuervorteile. Das ging bisher schon, allerdings konnte widersprochen, sprich geklagt werden. Das Widerspruchsrecht soll abgeschafft werden.

Also im Klartext, eine von der Politik (sprich Parteien) beeinflusste Behörde, die nicht wirksam von der Öffentlichkeit (nicht Parlament) kontrolliert werden kann, soll sich als Richter aufspielen können. Ein Verfassungsschutz als Inlandsgeheimdienst widerspricht schon in seiner grundlegenden Struktur jeglichen demokratischen Prinzipien von Kontrolle und Transparenz. Ein Schelm der Böses bei der geplanten Änderung denkt.

Einer Bananenrepublik würdig.

Ich hatte es ja vor ein paar Tagen, den vermuteten Designfehler in unserem Grundgesetzt. Der ehemalige Bundespräsident und Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Roman Herzog, äussert sich im Focus zu dem Thema. Seine Forderung nach einer Anhebung der Hürde bestätigt das Problem. Allerdings ist die Lösung die er vorschlägt gänzlich ungeeignet das Problem zu lösen. Denn mit einer Anhebung der Fünf-Prozent-Hürde wird das demokratische System immer unausgewogener. Zwar wird wieder eine stabile Regierungs­bildung möglich sein, diese basiert aber auf immer weniger Rückhalt des Souveräns. Dies kann nicht Ziel des demokratischen Willensbildungsprozesses sein.

Mir aber zeigt diese Äusserung, dass das Problem grösser ist als von mir bisher gedacht. Ich tendiere inzwischen auch nicht mehr dazu es einen Designfehler zu bezeichnen. Es ist ein architektonisches Problem, welches über kurz oder lang zu italienischen Verhältnissen führen wird. Oder es kommt zu einer ähnlichen Blockadesituation wie am Ende der Weimarer Republik. Wieder einmal zeigt sich, dass mit der Wiedervereinigung eine Reform des Grundgesetzes und damit der Neuordnung der Gewaltenteilung vertan wurde. Jetzt ist es zu spät. Ich denke nicht, dass die Parteien des jetzigen Systems zu der Einsicht kommen werden, dass das Problem grundlegend gelöst werden muss.

Also, wenn Griechenland nach der Wahl als unregierbar gilt und Neuwahlen anstehen und in Deutschland die etablierten Parteien Angst vor Dreierkoalitionen haben und meinen damit lasse sich nicht stabil regieren, dann, ja dann haben diese Länder einen schweren Designfehler in ihren Verfassungen. Und als ITler weisst du wie teuer das korrigieren von Designfehlern ist.

Ich kann nicht verstehen, dass CDU Finanzminister Schäuble und FDP Mann Döring die Schweizer Haftbefehle gegen drei deutsche Steuerfahnder öffentlich verteidigen.

Als Kind habe ich gelernt, dass die eigene Familie das wichtigste ist. Sie ist der Rückhalt gegenüber allen anderen. Das heisst natürlich nicht, dass sich nicht innerhalb der Familie gestritten werden darf. Kommt aber eine Einmischung oder ein Angriff welcher Art auch immer von aussen, dann hält die Familie zusammen.

Für mich ist das Staatswesen etwas ähnliches. Es hat sich unter anderem dafür zusammengefunden, um sich gegen Angriffe von aussen zu verteidigen. Der Staat hat seine eigenen Staatsbürger zu verteidigen. Dass dies in Deutschland nicht immer so ist, habe ich schon einmal geschreiben (Gelernte Lektion).

Ich vermute hinter beiden Aussagen parteipolitisches Interesse. Gerade die FDP kämpft ums politische Überleben. Da macht es sich natürlich gegenüber der eigenen Sympathisantenschaft sehr gut den natürlichen Feind, die Steuer und die Steuerfahndung, zu verunsichern.

In dieses Bild passt natürlich auch vortrefflich der Vorschlag des hessischen Landesvorsitzenden der FDP, Jörg-Uwe Hahn. Dieser schlug unlängst vor den Straftatbestand der Datenhehlerei einzuführen. Der Ankauf von Datenträgern mit Daten potenzieller Steuerhinterzieher würde somit nicht mehr möglich sein. Die FDP hätte mit Hilfe des Strafrechts ihre Klientel vor Strafverfolgung geschützt.

Über kurz oder lang führt eine solche Einstellung dann dazu, dass das Rechtssystem, welches ja den Staat ausmacht, nicht mehr ernst genommen wird. Das kollektivistische Grundelement des Staates zerfällt. Das individualistische gewinnt Oberhand und führt langfristig in eine Diktatur. Denn natürlich bleiben wirtschaftliche Interessen und Machtinteressen weiterhin bestehen.

In dieses Bild passt auch die Aussage von Döring, dass er bei der Piratenpartei Angst vor der Tyrannei der Massen hat. Das ist typischer Neocon-Sprech. Sei es nun die Tyrannei der Massen oder die Diktatur der Mehrheit. Einfach mal die Bibel der Necons lesen. Atlas Shrugged von Ayn Rand. Grottenmies geschrieben, ähnlich spannendend wie Das Kapital von Marx, aber sehr erhellend, um zu verstehen wie die wirtschaftsliberalen der FDP denken.

Bundespräsident Wulff lobt die deutschen Antikorruptionsgesetze.
Das kann er nur ironisch meinen.

Zum Einsatz von Pfefferspray sagte Witthaut, damit könne der Einsatz von Schusswaffen vermieden werden. Pfefferspray sei auch aus Gründen der Verhältnismäßigkeit „ein unerlässliches Mittel“.

So las ich es beim Bundestag.

2010 wurden in Gorleben 2190 Dosen Pfefferspray bei Castor-Protest versprüht. Das Argument und die Zahlen lassen eigentlich nur einen Schluss zu: wir befinden uns im Bürgerkrieg.

Nachtrag Ⅰ: Und noch etwas ist sehr merkwürdig bei Pfefferspray: für das Militär fällt Pfefferspray scheinbar unter die Genfer Biowaffenkonvention und ist verboten. Polizisten ist es im Einsatz gegen die Zivilbevölkerung erlaubt.

Nachtrag Ⅱ: Der Begriff Pfefferspray ist auch ein klassischer Neusprech. Denn das Zeug hat nur den Wirkstoff (Capsaicin) mit Pfeffer gemeinsam. Während reiner Cayennepfeffer auf der Scoville-Skala (gibt die subjektive Schärfe an) einen Wert von 30.000–50.000 hat, hat der Pfefferspray der Polizei einen Wert von 5.300.000. Das, was die Polizei einsetzt ist also über 100 Mal schärfer als reiner Cayennepfeffer.